ZEFYS > Amtspresse Preußens
 

Amtspresse Preußens

In dem Projekt "Digitalisierung der Amtspresse Preußens" wird die auflagenstärkste und einflussreichste politische Presse des letzten Drittels im 19. Jahrhundert digitalisiert, für das Internet aufbereitet, mit einem ergänzenden Sachkommentar versehen und indiziert. Gegenstand sind die ...

Die Digitalisierung erschließt der Forschung eine zentrale Quelle der politischen und sozialen Kommunikation und hilft zugleich, Defizite und Desiderate in den historisch-politischen, kommunikationshistorischen, aber auch in der politologischen und soziologischen Forschung zu beheben.

Volltextsuche in der Amtspresse Preußens

Provincial-Correspondenz


Die Bedeutung der konservativen Provinzial-Correspondenz ist in Umrissen bekannt. Sie war die größte Wochenzeitung ihrer Zeit (bis über 150.000 Auflage) und wurde so regelmäßig von der parteipolitischen Konkurrenz zitiert, dass sie jeden citation index der Blätter der 1860er-1880er Jahre anführen würde; sie galt als Stimme ihres Herrn, des preußischen Ministerpräsidenten und Reichskanzlers Otto von Bismarck; sie war agenturähnliche Korrespondenz, amtliches Anzeige-, Publikations- und Dokumentationsorgan und wöchentliche Beilage der Kreisblätter. Die Provincial Correspondenz wurde in der Zeit des preußischen Heereskonflikts gegründet und sollte - modern gesprochen - positive Öffentlichkeitsarbeit für die preußische Regierung betreiben. Als sie sich verbraucht hatte, wurde sie 1884 eingestellt.

Neueste Mittheilungen


Schon zwei Jahre zuvor waren die unauffälligen Neueste Mittheilungen gegründet worden, auch sie in einer innenpolitischen Krisensituation - nach der erdrutschartigen Wahlniederlage der Konservativen in der Reichstagswahl 1881. Die Neueste Mittheilungen wurden aus dem Bismarckschen Geheimfonds, dem sogenannten "Reptilienfonds" finanziert; sie standen im Zentrum der konspirativen "neuen Presseorganisation". Das Ziel war das gleiche wie bei der Provincial Correspondenz: es sollte auf dem Lande eine der Regierung günstige Stimmung erzeugt werden.

Teltower Kreisblatt


Das Teltower Kreisblatt zählt wie der „Berliner Beobachter“, die „Berliner Montagszeitung“, der „Allgemeine Anzeiger für Spandau und Umgebung“ und das „Cöpenicker Dampfboot“ zu den ältesten der wöchentlich erscheinenden Lokalblättern im Berliner Raum. 

Ab 1852 erschien es zunächst unter dem Titel „Neues Charlottenburger Wochenblatt für den Teltower Kreis“ und enthielt neben den amtlichen Bekanntmachungen der Teltower Kreisbehörden, des Regierungspräsidenten und des Landrats vor allem lokale und vermischte Nachrichten aus der Region zwischen Steglitz und Teupitz. Die heutigen Berliner Stadtteile Steglitz und Zehlendorf gehörten zu dieser Zeit bekanntermaßen noch nicht zu Berlin, so dass das Teltower Kreisblatt eine wichtige Quelle für diese Orte aus dieser Zeit darstellt. 

Otto von Bismarck
Otto von Bismarck

Provincial Correspondenz und Neueste Mittheilungen waren zentrale Korrespondenzen, die in Berlin in Verbindung mit dem preußischen Staatsministerium und Innenministerium herausgegeben wurden. Beide spielten eine herausragende publizistische Rolle. Über Provincial Correspondenz und Neueste Mittheilungen lässt sich ein unmittelbarer Zugang zu der gesamten offiziösen Presse gewinnen. Insbesondere die Provincial Correspondenz wurde weit über Preußen hinaus im Reich und im europäischen Ausland wahrgenommen. Die von den Korrespondenzen inspirierte und gesteuerte Presse erreichte zeitweilig ein Fünftel bis ein Viertel der Gesamtauflage der damaligen Tagespresse.

Die Art der Propaganda bzw. Öffentlichkeitsarbeit, die mit beiden Korrespondenzen betrieben wurde, unterschied sich allerdings deutlich: In der Provincial Correspondenz wurde offen die Partei Bismarcks ergriffen und jedem interessierten Zeitgenossen war die Zusammenarbeit mit der preußischen Regierung bekannt; die Provincial Correspondenz verfolgte also ein Konzept der weißen Propaganda. Bei den Neueste Mittheilungen war Finanzierung und Organisation jedoch verschleiert; mit ihr wurde unausgesprochen graue Propaganda betrieben. Verbreitungsinstrument war in beiden Fällen die konservative, ländliche Kreisblatt-Presse. Diese Blätter hatten in den 1870er Jahren noch überwiegend eine Auflage von unter 2.000 und später selten über 5.000. Kumuliert dürften sie jedoch ein Fünftel bis ein Viertel der Gesamtauflage der damaligen preußischen Tagespresse erreicht haben.

Mehr zur Geschichte der Amtspresse Preußens

Kontaktinformation zum Projekt

Projektleitung:

Professor Dr. Rudolf Stöber
Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Professor Dr. Hans Bohrmann
Institut für Journalistik
Universität Dortmund

Christoph Albers
Staatsbibliothek zu Berlin
Zeitungsabteilung

Kommentierung und Indizierung:

Albrecht Hoppe M.A. unter Mitwirkung von
Anja Dahmen, Sarah Ehlers, Sonja Janositz, Anne Schmidt (Studentische Mitarbeiterinnen)