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Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber: Karl Homann. Berlin, Dienstag, den 13. November 1894.

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„An den Vorstand der Generalsynode, Berlin. Die Meldung der einmüthigen Annahme der Agendenvorlage seitens der Generalsynode hat mich mit Freude und Dank erfüllt. Ich hoffe zu Gott dem Herrn, daß die neue Agende durch freiwillige Aneignung seitens der Gemeinden zur Festigung unseres theuren evangelischen Glaubens und zu reicherer und tieferer Erbauung der Gemeinden dienen werde. Das walte Gott!

(gez.) Wilhelm. R."


Aus Straßburg i. E. wird berichtet, daß daselbst am 10. November zu Ehren des zum Minister des Innern ernannten bisherigen Unterstaatssekretärs im elsaß-lothringischen Ministerium, Herrn v. Köller, die höheren Beamten seines Ressorts ein Abschiedsessen veranstalteten. Nach Beendigung der Abschiedsfeier begaben sich Staatsminister v. Köller, Staatssekretär v. Puttkamer, Unterstaatssekretär v. Schraut sammt den drei Bezirkspräsidenten zum Bahnhofe, um den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst zu empfangen, der gegen 11 Uhr mit seiner Familie von München aus in Straßburg eintraf, von der versammelten Volksmenge mit lebhaftem Hoch begrüßt wurde und sich direkt nach dem Statthalterpalais begab. Am 11. Nachmittags langte der neuernannte Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, in Straßburg an und wurde auf dem Bahnhofe von den Spitzen der Behörden begrüßt. Auch ihm brachte das Publikum, das sich zahlreich eingefunden hatte, freundliche Zurufe entgegen. Der neue Statthalter gedenkt mit dem 1. Dezember seinen Posten thatsächlich anzutreten. Der Minister v. Köller ist am 11. nach zehntägigem Aufenthalte in Straßburg nach Berlin zurückgereist. Zu Ehren des früheren Statthalters und jetzigen Reichskanzlers wird am nächsten Sonntag eine Huldigungsfeier stattfinden, zu der sich aus dem ganzen Lande bereits Deputationen und ganze Vereine zur Theilnahme gemeldet haben. Rektor und Senat der Universität Straßburg haben an den Fürsten eine Dankadresse für sein Wirken als Statthalter der Reichslande gerichtet; die philosophische Fakultät hat ihn zum Ehrendoktor ernannt.


Falscher Argwohn.

Nach einem Wechsel in den oberen Stellen der Reichs- und Staatsverwaltung, wenn wichtige Posten neu besetzt worden sind, ist es das Natürlichste, daß man abwartet, wie sich die neuen Männer einrichten, welche Wege sie einschlagen werden. Die nöthige Zurückhaltung wird leider nicht allenthalben in der Presse geübt. Einzelne falsche Vermuthungen mögen als Nachwirkung der letzten Krisis erscheinen.

So hat man der Reise des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe nach Straßburg besondere Motive unterlegen wollen und gesagt, er habe sich an die süddeutschen Höfe begeben, um eine dort vorhandene Mißstimmung zu beseitigen. Die Thatsachen reden jedoch eine einfache und klare Sprache; der Fürst Reichskanzler wollte sich in Straßburg verabschieden und dort seinen Nachfolger auf dem Statthalterposten einführen. Er hat den Weg über München genommen, wo er mit seiner aus Aussee kommenden Gemahlin zusammentraf und vom Prinzregenten zur Tafel geladen wurde. Die angebliche Mißstimmung an süddeutschen Höfen sollte namentlich daraus hervorgehen, daß der Großherzog von Baden unmittelbar nach dem Kanzlerwechsel einen Gesandten für Stuttgart und München bestellt habe. War es schon von vornherein thöricht, einem Fürsten, der stets so warm für die Reichssache eingetreten ist, wie der Großherzog von Baden, die Beförderung partikularistischer Tendenzen gegen das Reich zuzutrauen, so muß der Argwohn eines ursächlichen Zusammenhanges der Bestallung eines Gesandten mit dem Kanzlerwechsel erst recht hinfällig erscheinen, nachdem bekannt geworden ist, daß diese Maßregel schon seit Juli dieses Jahres, und zwar unter Vorwissen der Reichsinstanzen, im Werke war. Sie hat keine weitere politische Bedeutung als die, daß eine Anzahl praktischer Angelegenheiten, die zwischen Baden und seinen beiden Nachbarstaaten schweben, durch die Wiederbesetzung der Gesandtenstelle schneller erledigt werden sollen. Ein Gegensatz zwischen süddeutschen und norddeutschen Interessen kann dabei keine Rolle spielen.


Inspektion der Jäger und Schützen.

Einige Zeitungen haben neuerdings der Nachricht Raum gegeben, daß die Aufhebung der Inspektion der Jäger und Schützen beabsichtigt sei. Diese Nachricht wird im Reichsanzeiger für unrichtig erklärt.


Reform des Börsenwesens.

Nachdem die zwischen Vertretern des Reichs und der Bundesregierungen eingeleiteten Besprechungen über die Vorschläge der Börsen-Enquête-Kommission zu Ende geführt sind, ist die Ausarbeitung eines Gesetzent-

wurfes, betreffend die Reform des Börsenwesens, im Gange. Nach einer Mittheilung des „Reichsanzeigers" darf angenommen werden, daß der Gesetzentwurf dem Bundesrath binnen kurzem wird vorgelegt werden können.


Ein unglaubliches Vorkommniß.

Im Wahlkreise Bernburg-Köthen findet in nächster Zeit die Stichwahl zwischen dem nationalliberalen Dr. Friedberg und dem sozialdemokratischen Kandidaten statt. Man sollte daher als selbstverständlich annehmen, daß alle bürgerlichen Parteien für den nationalliberalen Kandidaten eintreten würden. Nun findet sich aber in der Bernburger „Morgenzeitung", die bei der Hauptwahl für den Kandidaten der „Mittelstandsparteien" eingetreten war, die Aufforderung, den Sozialdemokraten zu wählen mit der Begründung: „Ein Sozialdemokrat mehr oder weniger kann die Welt nicht auf den Kopf stellen, aber wir können dadurch beweisen, daß die Mittelstandsparteien auch ein Wort mitzureden haben." Daß dies Vorgehen noch heute nach dem Sammelruf des Kaisers in Königsberg, der sich an alle staatserhaltenden Parteien wendet, möglich ist, ist ein Zeichen unglaublicher Verirrung.


Sozialdemokratisches Eingeständniß.

Im „Sozialdemokrat," der bekanntlich ein offizielles Parteiorgan ist, findet sich in einer Besprechung der Eidesverweigerung der Genossen Bueb und Deppler, die in den Mühlhausener Kreistag gewählt waren, neben dem Urtheil, daß dies Vergehen ein politischer Fehler sei, ein Eingeständniß über die Art der sozialdemokratischen Agitation. Es heißt da: „Seit dem Fall des Sozialistengesetzes ist eine Sucht vorhanden, Alles, was damals in Folge der Gebundenheit der Agitation versäumt werden mußte, in wenigen Jahren nachzuholen ... Ein nervöses, hastiges Drängen auf die Gewinnung aller Bevölkerungskreise charakterisirt unsere Agitation. Da entsteht nothwendigerweise ein Konflikt zwischen den klaren, festgelegten Parteiprinzipien und den nach Land und Leuten verschiedenen jeweiligen Verhältnissen .. Dabei kann es ohne gegensätzliche Erscheinungen nicht abgehen. Dort führt Einer kulturkämpferische Reden, hier bewilligt ein Anderer öffentliche Gelder zu kirchlichen Zwecken. Um die Bauern zu gewinnen, werden gelegentlich die grundlegenden Sätze des kommunistischen Manifestes über das Eigenthum abgeschworen. Verwerfung des Impfzwanges, Vegetarismus und Naturheilmethode erscheinen nicht selten unter Parteiflagge. Es hat oft den Anschein, als ob der Partei „alle Dinge zum Besten dienen müssen." Und wenn man dann Front macht gegen den Unfug, alle möglichen Kinkerlitzchen mit der Partei zu verquicken, so kann man die Antwort hören: Ja, wir sind eine demokratische Partei; wir wollen die Umgestaltung der Gesellschaft mit dem Willen des größeren Theils der Bevölkerung, und um Boden zu gewinnen, muß man jedes Terrain benutzen können." – Es verlohnt sich wohl, von diesem Eingeständniß Kenntniß zu nehmen.


Aus Deutsch-Ostafrika.

Am 26. Oktober traf, wie das „Deutsche Kolonialblatt" schreibt, auf telegraphischem Wege die erschütternde Nachricht ein, daß Dr. phil. Lent und Dr. med. Kretschmer nebst sieben Trägern von Waromboleuten ermordet worden sind. Dr. Karl Lent befand sich seit Ende März v. J. am Kilimandjaro, woselbst er die wissenschaftliche Forschungsstation bei Marangu in Gemeinschaft mit dem Botaniker Dr. Volkens und dem Forstassessor Wiener begründete. Dr. Lent ist während der 1½ Jahre seiner Anwesenheit am Kilimandjaro auf das eifrigste thätig gewesen. Er hatte die topographischen Aufnahmen des Süd- und Osthanges des Kilimandjaro zum Abschluß gebracht und auf mannigfachen Expeditionen werthvolles Material gesammelt, welches zum großen Theil noch der Veröffentlichung harrt. Neben diesen umfangreichen Arbeiten, den meteorologischen Beobachtungen und den Stationsgeschäften fand er Zeit, eine größere Arbeit zu verfassen, welche auf das eingehendste alle für eine Nutzbarmachung des Kilimandjarogebiets wichtigen Fragen behandelt. Dr. Kretschmer war erst Ende Juli d. Js. auf der Marangustation eingetroffen; er hatte ursprünglich an der Freiland-Expedition theilnehmen wollen, bei der Aussichtslosigkeit dieses Unternehmens sich jedoch bereit erklärt, die von Dr Volkens und Dr. Lent als dringend erwünscht bezeichnete zoologische Erforschung des Kilimandjarogebiets zu übernehmen. Von ihm rührt der letzte, von der Station eingegangene und vom 9. September datirte Bericht her, in welchem bemerkt ist: „Am Ende d. Mts. gedenke ich Herrn Dr. Lent nach Useri zu begleiten." Um dorthin zu gelangen, ist voraussichtlich die zwischen der Station und dem nordöstlich davon gelegenen Useri gelegene, kürzlich unterworfene Landschaft Rombo betreten worden, welche Dr. Lent nicht lange vorher in Begleitung des Kompagnieführers Johannes schon einmal besucht hatte. Dr. Lent war diesmal offenbar ohne militärische Bedeckung gereist, was er im Allgemeinen vorzog.

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