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II. Jahrgang. No. 92. Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber: Dr. H. Klee. Berlin, Montag, den 17. September 1883.

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Ebenso hebt der Bericht über Handel und Schifffahrt der Hafenstadt Memel hervor, daß das Jahr 1882 im allgemeinen günstigere Resultate ergeben hat als das voraufgegangene Jahr. Der Schiffsverkehr überstieg den des Vorjahres um 308 Schiffe mit 68,300 Tonnen. Von den einzelnen Handelszweigen hat namentlich der Holzhandel sich quantitativ nicht unbedeutend gehoben und der Gewinn war, einzelne Artikel ausgenommen, ein entsprechender. Fichtene Balken wurden besonders schnell und vortheilhaft verkauft. Der Absatz der aus dem 1881 eingekauften Rundholze geschnittenen Waaren ging entschieden besser von Statten, als zu erwarten stand, und dürfte auch gut gelohnt haben. Das Geschäft in Sleeperklötzen gewinnt für Memel immer größere Bedeutung, wie die gegen 1881 um das Doppelte erhöhte Zufuhr auch zeigt, und die Zufuhr für 1883 verspricht sogar eine ähnliche Steigerung gegen 1882, was wohl hauptsächlich der vermehrten Erleichterung der Flößung durch den König Wilhelm-Kanal zuzuschreiben ist, die der Bericht dankbar anerkennt.


In den Verhältnissen von Handel und Industrie im Regierungsbezirk Gumbinnen hat neuerdings keine wesentliche Veränderung stattgefunden. Ein Rückgang derselben ist in keiner Weise wahrzunehmen gewesen, vielmehr ist nach Allem eine, wenn auch langsam fortschreitende Hebung der gewerblichen und Handelsverhältnisse zu constatiren. Eine nachtheilige Wirkung der neuen Zölle auf die Preise der Lebensmittel ist nach zuverlässigen Berichten von dort nirgends wahrnehmbar geworden.


Auch der Bericht der Handelskammer zu Halberstadt konstatirt, daß Handel und Verkehr für das Jahr 1882 durchschnittlich bessere Resultate aufweisen als im Vorjahr. Aus den Spezialberichten sei besonders derjenige hervorgehoben, der von einem Aufschwung des Kalisalz-Bergbaues spricht. Unter allen Industriezweigen, heißt es da, welche in den letzten Jahrzehnten aus unscheinbarem Anfange hervorgegangen und rasch zu großer Blüte und Ausdehnung gelangt sind, nimmt die Kali-Industrie eine der wichtigsten Stellen im Reiche ein. Die vier (für diesen Bericht in Betracht kommenden) Kalisalzbergwerke förderten im Jahre 1861 6 265 Zentner Kalisalz, 1875 9 759 000 Zentner, 1880 10 382 799 Zentner, 1881 14 894 521 Zentner und 1882 21 186 085 Zentner. Das Jahr 1882 stellt sich hiernach als das segensreichste dar, welches einen abnormen, das Jahr 1880 um mehr als 100 pCt. überragenden Aufschwung aufwies. Der Bericht kommt auch auf die Reform der Handelskammern zu reden und giebt sein Urteil dahin ab: „Ohne gegenwärtig zu allen einzelnen Punkten der verschiedenen Vorschläge Stellung zu nehmen, sprechen wir uns im Allgemeinen für die einheitliche Regelung der wirthschaftlichen Interessen-Vertretung für den ganzen Umfang des deutschen Reiches durch Reichsgesetz aus. Wir halten es für sehr erwünscht, daß die Errichtung dieser auch die Landwirthschaft umfassenden Interessenvertretungen sich auf alle Teile des Reiches erstreckt, ferner, daß die einzelnen gleichberechtigten Sektionen der Wirthschaftskammern die nur ein spezielles Interesse betreffenden Fragen jede für sich behandeln, während über alle Gegenstände gemeinsamen Interesses im Plenum berathen und beschlossen werden soll."

Aus der Hauptstadt.

Die Ausführung der Ueberwachung der Wochenmärkte in Berlin erfolgte auch im vorigen Jahre (1. April 1882 bis 31. März 1883) nach denselben Grundsätzen, welche bisher für dieselben leitend gewesen waren. Die Zahl der Beschlagnahmen war während des Januar-März-Quartals, als nach der theilweise erfolgten Einführung des Schlachtzwanges die Fleischbeschau in den öffentlichen Schlachthäusern des Central-Viehhofes durch die Polizei-Thierärzte ausgeführt wurde, eine seltnere, als je zuvor und beschränkte sich, abgesehen von den Beschlagnahmen von Fischen, meist auf solche aus den Vorräthen auswärtiger und solcher Fleischer, die nicht im öffentlichen Schlachthause geschlachtet hatten. Die Gesammtzahl der Beschlagnahmen belief sich im Berichtsjahre auf 449, das Gewicht der konfiszirten animalischen Nahrungsmittel betrug 6870 kg, und zwar 396 mal mit 5017 kg Fleisch, 35 mal mit 872 kg Wildpret und Geflügel und 18 mal mit 981 kg Fische. Außer der regelmäßigen Kontrole der Wochenmärkte, im Sommer von 7 Uhr, im Winter von 8 Uhr ab, fanden außergewöhnliche Revisionen der bedeutenderen Märkte, zu denen schon Nachts die auswärtigen Fleischer eintreffen, Morgens um 4 und 5 Uhr, ferner überraschende Revisionen der auf dem Central-Viehhofe bestehenden Fleischverkaufsstellen und der in den ärmeren Stadtgegenden abgehaltenen Sonnabend-Abend und Sonntag-Morgen-Märkte statt. Die größte Menge der Beschlagnahmen bezog sich auf finniges Schweinefleisch (2187 kg); demnächst war es faules Fleisch (840 kg), Fleisch von kranken Thieren (790 kg), Fleisch von unzeitig geschlachteten Thieren (748 kg), endlich Fleisch mit Tuberkeln, Leberegeln, Hydatiden u. s. w. (449 kg), das den Gegenstand der Beschlagnahme bildete. Die zahlreichsten Beschlagnahmen fanden auf dem Dönhofsplatze statt (71); denn folgten der Pappelplatz (35), Oranienplatz (25), der Teutoburgerplatz (20). Verhältnißmäßig am ungünstigsten erwies sich der Lausitzer Platz, der mit nur wenigen Fleischern besetzt ist, wo aber 10 Beschlagnahmen, ebenso viel wie auf dem sehr verkehrsreichen Magdeburger Platz, vorgenommen werden mußten. Am günstigen ist der Markt am Potsdamer Thor zu beurtheilen, wo nur 3 Beschlagnahmen nothwendig wurden. An Privat-Verkaufsstellen wurden 15 Beschlagnahmen mit 412 kg Fleisch, 1 mit 80 kg Wildpret und 1 mit 6 kg Fischen vorgenommen.


Personalien.

Der Rittergutsbesitzer Leo Oskar Becker ist zum Landrathe des Kreises Neidenburg und der Ober-Regierungsrath Georg Friedrich Albrecht Lodemann zu Marienwerder ist zum Regierungs-Vicepräsidenten ernannt worden.

Der Bezirksverwaltungsgerichtsdirector Ludwig Eberhard Franzius in Stettin ist zum Oberverwaltungsgerichtsrathe und der Regierungsassessor Freiherr Wilhelm Riedesel zu Eisenbach in Gelnhausen ist zum Landrathe ernannt worden.

Dem Bürgermeister Dr. Otto Franke zu Stralsund ist der Character als Geheimer Regierungsrath verliehen worden.

Die Wahl des zweiten Bürgermeisters der Stadt Liegnitz, Otto Mießner zum Bürgermeister der Stadt Waldenburg ist bestätigt worden.


Verantwortlicher Herausgeber Dr. H. Klee, Berlin W., Wilhelmstr. 84. – Im Selbstverlag des Herausgebers. – Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin, Stallschreiberstr. 34. 35.

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