ZEFYS > Amtspresse Preußens
 

V. Jahrgang. No. 83. Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber i. V.: Dr. jur. Hammann. Berlin, Dienstag, den 17. August 1886.

Seite:   1 | 2 | 3 
 

raum besuchende Publikum aus Müßiggängern und Leuten, welche mit dem Gesetz auf gespanntem Fuße ständen, ferner aus skandalsüchtigen Leuten, die etwas hören wollten, aus sehr fragwürdigen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts und aus Leuten, welche im Winter ein warmes Local zu finden hofften. Bei einer größeren Anzahl von Landgerichten scheint die von den besten Folgen begleitete Einrichtung zu bestehen, den Zutritt von der Lösung von Eintrittskarten abhängig zu machen, welche von einem Unterbeamten des Gerichts oder, wie es in einer Großstadt der Fall ist, von dem Polizeiamt verabreicht werden.

Aus alledem geht jedenfalls hervor, daß die Frage von erheblicher Wichtigkeit und es sehr verkehrt ist, im Vertrauen auf die Wunderwirkung eines Schlagworts alle Verbesserungsvorschläge kurzer Hand abzuweisen.


Neuigkeiten aus der Verwaltung.
Amtscautionen.

Nachdem die Königlichen Regierungen von dem Finanzminister veranlaßt worden sind, den Beamten seines Ressorts die Verwendung yon Obligationen der Prioritätsanleihen der Thüringischen, der Oberschlesischen, der Breslau-Schweidnitz-Freiburger, der Altona-Kieler und der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Unternehmungen zur Bestellung von Amtscautionen zu gestatten, hat der Minister des Innern genehmigt, daß die vorbezeichneten Werthpapiere auch von Beamten seines Ressorts zur Bestellung von Amtscautionen verwendet werden.


Politische Tagesfragen.

Die Streitigkeiten auf Samoa haben Veranlassung zu Verhandlungen unter den drei meistbetheiligten Mächten, Deutschland, England und Nordamerika gegeben. Auf Samoa, dessen Selbstständigkeit die drei Mächte untereinander garantirt haben, besteht schon lange Streit zwischen dem König Malietoa und dem Vicekönig Tomasese. Die Hartnäckigkeit des Ersteren hatte dazu geführt, daß von deutscher Seite ein größerer Gebietstheil als Pfandobject mit Beschlag belegt wurde. Malietoa scheint sich nun an den amerikanischen Consul Greenebaum, eigentlich Grünbaum, der aus der deutschen Pfalz stammt, gewandt und ihn vermocht zu haben, die amerikanische Flagge zu hissen. Der englische Consul hinwiederum steht unter dem Einflusse der Wünsche der englischen Colonie Neuseeland, welche schon lange die Aneignung der Inselgruppe erstrebt. Daraus sind dann Reibungen unter den drei Consuln entstanden, um deren Ausgleich es sich gegenwärtig handelt.

Deutschland hält an dem früheren Abkommen, so lange es besteht, fest, obgleich die deutschen Interessen auf Samoa die englischen und amerikanischen weit überwiegen. Es hat einen allseitigen Personenwechsel der Consuln in Apia vorgeschlagen und Herr Grünbaum scheint bereits von seiner Regierung abberufen worden zu sein. Da indessen die englische Regierung nicht auf den Vorschlag einging, haben jetzt die drei Vertragsmächte Specialcommissare nach Samoa geschickt, welche an den bisherigen Streitigkeiten unbetheiligt sind, und deren Persönlichkeit Gewähr für eine unparteiische Berichterstattung bietet.


Aus dem Erzbisthum Posen.

Der Erzbischof Dinder von Posen-Gnesen hat angeordnet, daß die Theologie Studirenden der Erzdiözese Posen-Gnesen von Michaelis ab in Münster und Breslau, nicht wie bisher in Würzburg, den Studien obliegen sollen. Das würde also heißen, daß die jungen Theologen künftig auf preußischen Anstalten studiren sollen. – Weiter wird von einem polnischen Blatte gemeldet, daß der Weihbischof Janischewski, welcher während des Kulturkampfs mit dem Staat in scharfen Widerstreit gerathen war, dem Erzbischof den Verzicht auf seine Würde angezeigt habe.


Verleihung von Patenten.

Von seinem Bestehen, d. h. vom 1. Juli 1877 an bis Ende des Jahres 1885, hat das Reichs-Patentamt insgesammt 34 561 Patente ertheilt, von denen in dem gleichen Zeitraum 23 515 wieder gelöscht worden sind, so daß Ende 1885 noch 11 046 in Kraft waren. Die meisten

Patente weist die Klasse 20 (elektrische Apparate) auf, in der 465 Patente in Kraft sind. Von den anderen Klassen sind zu erwähnen: Bier- und Branntweinbereitung mit 242, Dampfkessel mit 327, Eisenbahnbetrieb mit 370, Haus- und wirthschaftliche Geräthe mit 288, Heizungsanlagen mit 287, Instrumente mit 396, Land- und Forstwirthschaft mit 351, Maschinenelemente mit 342, mechanische Metallbearbeitung mit 406 und Nähmaschinen mit 248 Patenten. Ertheilt und gelöscht wurden die meisten Patente für den Eisenbahnbetrieb, nämlich 1176 bezw. 806.


Von der Eifel.

Die auf Staats- und Provinzialkosten betriebenen Wiesenmeliorationen in der Eifel machen bedeutende Fortschritte, so daß allmählig ein wüstes Thal nach dem andern in den Kreis der Culturflächen gezogen wird. Die zur Ausführung von Meliorationen im Coblenzer Bezirke gegebenen Zuschüsse, sowie die daselbst mehrfach gewährten Beihilfen zu Stierstallbauten und zur Beschaffung von Stieren, ferner die bewilligten Prämien für Anlegung mustergültiger Dungstätten, haben anregend gewirkt. In der Consolidation der Grundstücke ist ein wesentlicher Fortschritt zur Zeit noch nicht wahrnehmbar gewesen. Die Bestrebungen Einzelner, der Vortheile, welche das neue Gesetz bietet, theilhaftig zu werden, scheitern vielfach an dem hartnäckigen Festhalten der Landbewohnerschaft an dem Althergebrachten und an dem Mißtrauen gegen jede Neuerung. Immerhin steht zu hoffen, daß der gute Erfolg einer und der anderen glücklich und rasch durchgeführten Consolidation in Verbindung mit den Einwirkungen der landwirthschaftlichen Vereine, sowie der Behörden über die mit dem Gesetze verfolgten Zwecke in den Kreisen der Bauern das rechte Verständniß wecken werde. Es ist deshalb auch als besonders werthvoll zu bezeichnen, daß gerade in dem ärmlichsten Bezirke, in der Eifel, bereits ein guter Anfang mit der Consolidation hat gemacht werden können.


Der Stand der Weinberge am untern Rhein, in der Kölner Gegend ist, obwohl die Nachtfröste einigen Schaden gethan haben, ein befriedigender und berechtigt bei fernerer günstiger Witterung zu den besten Hoffnungen. Die Aussichten auf eine gute Weinerte im Coblenzer Bezirke waren anfänglich kaum jemals besser, als in diesem Jahre. Der Weinstock hatte durchweg gut überwintert und entwickelte sich im April und Mai, abgesehen von dem Schaden, welcher durch die Nachtfröste strichweise und namentlich an der Ahr in den niederen Lagen entstanden, jedoch bei der Fülle der Gescheine in den Berglagen leicht zu verschmerzen war, in wünschenswerthester Weise, als im Juni dauernd kalter Regen eintrat und die hochgespannten Hoffnungen zerstörte. In den besseren Lagen hatten zwar die Trauben zum Theil schon abgeblüht, aber die übrigen Lagen wurden mitten in der empfindlichen Blütheperiode von dem Unwetter betroffen. In vielen Districten ist über die Hälfte des Anhanges durchgefallen und steht nur noch ein geringer Ertrag in Aussicht. Hin und wieder, namentlich an der mittleren und oberen Mosel, scheinen noch günstigere Verhältnisse obzuwalten und die Hoffnung auf eine wenigstens der Menge nach befriedigende Ernte zu rechtfertigen.


Ueber die Lage des Handels und der Industrie im Kölner Bezirke wird von da gemeldet: Die schon oft beklagten Uebelstände, welche wesentlich auf das Mißverhältniß zwischen Production und Consum zurückzuführen sind, bestehen in den meisten Gewerkszweigen noch ungeschwächt fort und lassen eine Besserung in der nächsten Zeit nicht erwarten. Betriebseinstellungen und Arbeiterentlassungen in größerem Umfange sind indessen nur vereinzelt vorgekommen. In einer nicht unbedeutenden Zahl von Fabriken konnte nur mit beschränkter Arbeitszeit der bisherige Arbeiterbestand beibehalten werden. Im Bereiche der Textil-Industrie des Kreises Gummersbach wird dagegen schon seit einiger Zeit andauernd über Arbeitermangel geklagt und trotz der eingetretenen Lohnsteigerung gelingt es hier nur schwer, Arbeiter in ausreichender Zahl für den vollen Betrieb sämmtlicher Spinnereien u. s. w. heranzuziehen. Auffallend ist die Erscheinung, daß mehrere Fabriken in der Stadt Bonn trotz der kürzlich stattgehabten Betriebseinstellung der Jutespinnerei und Weberei in Beuel, bei welcher 600 Arbeiter zur Entlassung gekommen sind, über den Mangel an jüngeren Arbeitern und über die Löhne, die diesen gewährt werden mußten, Klage führen. Es dürfte dieses vorzugsweise den vielfachen Gelegenheiten zum Gelderwerb zuzuschreiben sein, welche bei der Feldarbeit, dem Steinbruchsbetrieb, durch den Fremdenverkehr u. a. m. in der besseren Jahreszeit den arbeitenden Klassen dortiger Gegend geboten werden.

Was den Bergbau betrifft, so setzen die Braunkohlenwerke, welche Briquettes darstellen, die Förderung in gleichem Umfange fort. Die Lage des Eisenerzbergbaues war in Folge des niedrigen Standes der Eisenpreise fortdauernd eine gedrückte, diejenige des übrigen metallischen Bergbaues erfuhr keinen weiteren Rückgang, weil die Metallpreise sich hielten und namentlich die Bleipreise etwas in die Höhe gingen. Recht erfreulich ist es, daß der Steinbruchsbetrieb in den bergischen Kreisen immer mehr an Ausdehnung gewinnt und

Seite:   1 | 2 | 3 
 

In Ausgaben blättern


Jahr:  Monat:
Neueste Mittheilungen:
01.05.1882 - 29.12.1891
03.01.1893 - 07.12.1894
MoDiMiDoFrSaSo
      1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031