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VII. Jahrgang. No. 49. Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber: Dr. H. Klee. Berlin, Dienstag, den 15. Mai 1888.

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Vulkanischer Ausbruch im Schutzgebiete von Neu-Guinea.

Der Direction der Neu-Guinea-Compagnie ist ein Bericht über eine gewaltige Fluthwelle zugegangen, die am 13. März an der Südküste von Neu-Pommern verheerend gewirkt hat und, so viel zu übersehen, durch einen vulkanischen Vorgang auf der kleinen Vulkan-Insel hervorgebracht worden ist.

In Finschhafen wurde an dem genannten Tage früh nach 6½ Uhr ein donnerähnliches Geräusch gehört und gleichzeitig das Meer und das Wasser des Hafens in starke Bewegung gesetzt, derart, daß es mit reißender Geschwindigkeit ab- und zufloß und die im Hafen befindlichen Schiffe in Gefahr geriethen. Das Wasser fiel so reißend, daß das südlich von der Holzinsel Mudang befindliche Riff in Zeit von etwa 2 Minuten vollständig trocken und ungefähr 5–6 über Wasser lag. Dann stieg das Wasser mit derselben Heftigkeit wieder. Die Zeit vom niedrigsten bis höchsten Stande betrug 3 bis 4 Minuten, die Schnelligkeit der Strömung wurde auf 8 bis 10 Meilen geschätzt.

Nach Eintritt der Fluthwelle wurde von einigen Beobachtern ein feiner, wenig bemerkbarer Aschenregen wahrgenommen. Die starken und unregelmäßigen Bewegungen des Wassers nahmen nach etwa einer halben Stunde ab; die See schien ruhiger zu werden und stieg und fiel in gleichmäßigen Intervallen, die um 10 Uhr bereits sehr lang wurden. Leider ist zu besorgen, daß dem Naturereigniß die Mitglieder einer Expedition zum Opfer gefallen sind, welche, aus den Herren von Below und Hunstein bestehend, mit 4 Malayen und 12 Miokesen am 4. März an der Südspitze von Neu-Pommern gelandet war, um dort in einem vorher durch den Landeshauptmann Freiherrn von Schleinitz rekognoszirten Berglande für eine Kaffeeplantage geeignetes Land zu suchen und zutreffenden Falles mit der Anlegung der Plantage zu beginnen. Ueber den Erfolg der Ermittelungen sollten sie mit dem nach 8–9 Tagen den Landungshafen wieder anlaufenden Dampfer „Ottilie" Nachricht geben.

Als die „Ottilie" am Abend des 15. März in die Nähe des Hafens kam, fand der Kapitän denselben so verändert, daß er bezweifelte, an der richtigen Stelle zu sein. Am nächsten Morgen gewann er zwar die Ueberzeugung, daß er in dem früheren Hafen sich befände, nahm aber zu seiner Bestürzung wahr, daß die vorher in der Nähe vorhanden gewesenen Dörfer nicht mehr sichtbar, daß die Riffe verändert, sowie daß die früher in ziemlichem Umfange sich erstreckenden Landflächen zum großen Theil verschwunden und die bis zu den Bergen verbliebenen Landstreifen durch Bimsstein und Umbrechen von Bäumen stark verwüstet waren. Die Höhe der Fluth ließ sich nach den Abschälungen an den Bäumen auf 15 Meter schätzen. Während die „Ottilie" im Hafen lag, kamen drei von der Expedition stammende Miokesen an Bord geschwommen und brachten zum Ausdruck, daß durch großes Wasser Alles zerstört wäre. Ein sogleich ausgesetztes Boot fuhr mit ihnen an Land; die Bemannung suchte die Gegend, soweit dies bei der herrschenden Verwüstung und mit dem geringen Personal möglich war, ab, fand jedoch nur zwei weitere der Expedition zugehörige Miokesen und keine Spur von den Herren von Below und Hunstein. Die 5 Miokesen, welche an ihren Körpern mehr oder minder die Spuren von Beschädigungen trugen, gaben bei ihrer Vernehmung in Finschhafen an, daß vor 3 Tagen ganz früh Morgens großes Wasser gekommen, vor welchem sie geflohen wären, das sie aber erfaßt und auf Bäume geworfen hätte. Aus ihren ziemlich unverständlichen Andeutungen ging nur so viel mit Klarheit hervor, daß sie einer Unterabtheilung angehört hatten, welche aus 2 Malayen und 7 Miokesen bestand und von denen die Malayen vom Wasser erfaßt, beim Abfließen mitgenommen, zwei ihrer Kameraden an ihren Wunden gestorben wären.

Von dem Haupttheil der Expedition wußten die fünf geretteten Burschen nichts anzugeben; es war aus ihren Aeußerungen nicht einmal zu entnehmen, ob die Weißen ihr Lager näher dem Berge oder näher der Küste aufgeschlagen hatten. Nach Aussage von Einigen sollten sie Tages zuvor in einem Canoe fortgefahren sein.

Da hiernach nicht alle Hoffnung aufzugeben war, daß die Herren von Below und Hunstein noch am Leben sein könnten, ließ der Landeshauptmann am 17. März die „Ottilie" mit einer Expedition von 7 Beamten nebst den 5 Miokesen und einigen schwarzen Arbeitern wieder in See gehen, um Nachforschungen an Ort und Stelle in umfassender Weise anzustellen. Der Capitain der „Ottilie" hat bei seiner Rückkehr an demselben Tage gemeldet, daß die Expedition nach der Landung mit den Nachforschungen begonnen und dabei den Platz der ersten Niederlassung und an demselben einen Anzug des Herrn von Below, ein Paar Stiefel des Herrn Hunstein, das Zelt und Kochgeschirr, Alles mehr oder weniger von Sand und angeschwemmtem Lande verschüttet gefunden habe.

Das in der Nähe befindlich gewesene Dorf von ca. 30 Hütten war gänzlich verschwunden, jedoch wurde eine Spur von menschlichen Leichen nicht entdeckt. Die Nachforschungen sollten durch mehrere Tage fortgesetzt werden. Ueber ihren Erfolg liegt eine abschließende Nachricht noch nicht vor.

Neuigkeiten aus der Verwaltung.

Seine Majestät der Kaiser und König haben zum Ehrenpreis bei der Feier des 25 jährigen Stiftungsfestes des Barmer Männer-Gesangvereins einen Siegesthaler-Pokal mit Untersatz zu bewilligen geruht.

Der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. ist zur Annahme der Zuwendung, welche ihr der zu Baden-Baden verstorbene Graf Karl August Bose mit 20 000 ℳ gemacht hat, die landesherrliche Genehmigung ertheilt worden.


Politische Tagesfragen.

Vom Kaiser lauten die letzten Nachrichten wesentlich besser. Der Zustand kann jetzt im Allgemeinen als nahezu fieberfrei bezeichnet werden. In Folge dessen haben sich auch die Kräfte sichtlich zu heben begonnen. Der Kaiser bringt lange Zeit des Tages außer Bett zu und hat mit Erfolg und ohne ungünstige Nachwirkungen Gehversuche von einem Zimmer nach dem andern unternommen. Die Stimmung ist besser geworden. Unter diesen Umständen dürfte nur warmes Wetter abgewartet werden, bis der hohe Kranke sich in dem Zelte im Schloßparke aufhalten kann. Prof. Virchow hat ein Fläschchen mit Absonderungen von dem örtlichen Leiden des Kaisers zur mikroskopischen Untersuchung erhalten.

Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht in seiner Dienstags-Nummer folgendes Bulletin:

Charlottenburg, den 15. Mai 1888, Vormittags 9 Uhr.

Das Besinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs ist in den letzten Tagen gut geblieben. Appetit und Kräfte haben zugenommen. In Folge einer leichten Rachenentzündung bestehen seit einigen Tagen geringe Schlingbeschwerden. welche sich bereits bessern. Das abendliche Fieber bleibt ganz gering.

Morell Mackenzie. von Wegner. Krause. Hovell. Leyden. Senator.


Auf die Frauenadresse Posens ist ein Antwortschreiben der Kaiserin Victoria ergangen, in welchem sie der allgemeinen, aus allen Theilen des Landes dargebrachten Beweise der Liebe und des Mitgefühls an dem schweren Leiden gedenkt, das Gott in seinem unerforschlichen Rathschlusse über den Kaiser verhängt habe.


Der Reichskanzler Fürst Bismarck beabsichtigt, sich auf kürzere Zeit nach Varzin zu begeben.


Der Vicepräsident des Staatsministeriums, Minister von Puttkamer, ist von seiner Reise nach Ostpreußen, wo er die überschwemmten Gegenden des Memelflusses besichtigte, wieder nach Berlin zurückgekehrt. Der Landwirthschaftsminister Dr. Frhr. v. Lucius befindet sich im Ueberschwemmungsgebiete der Weichsel.


Gegenzeichnung Kaiserlicher Ordres.

Eine aus der Reichstagsverhandlungen bekannte Streitfrage ist nunmehr vom Reichsgericht entschieden; sie betrifft die Gegenzeichnung Kaiserlicher Ordres, durch welche ordnungswidrige Fehlbeträge oder Verausgabungen in dem Bereiche der preußischen Militärverwaltung niedergeschlagen, beziehungsweise in Ausgabe belassen werden. Früher war die formelle Gültigkeit derartiger, nur vom preußischen Kriegsminister gegengezeichneter Ordres nicht angezweifelt worden. Erst als von Seiten des Rechnungshofes Bedenken gegen diese Praxis erhoben wurden, ist auch vom Reichstage die Forderung nach einer Gegenzeichnung dieser Ordres durch den Reichskanzler gestellt worden. Der Bundesrath hielt aber dafür, daß für eine im Bereiche der preußischen Militärverwaltung liegende ordnungswidrige Verausgabung eine Ordre des Königs von Preußen als ausreichend erachtet werden müßte. Derselbe ging dabei von der Voraussetzung aus, daß es eine Reichsmilitär-Verwaltung im strikten Sinne des Wortes nicht gäbe, sondern nur eine Militärverwaltung der einzelnen Kontingente. Diese Streitfrage ist jetzt durch das Reichsgericht in einem am 9. März d. J. verkündeten Urtheil grundsätzlich im Sinne der verbündeten Regierungen entschieden worden.


Das Ansiedelungswerk in der Provinz Posen.

Einige Mitglieder des Abgeordnetenhauses haben kürzlich unter Führung des Oberpräsidenten von Posen und Vorsitzenden der Ansiedelungskommission, Grafen von Zedlitz-Tritzschler, die im Kreise Gnesen von der Ansiedelungskommission angekauften und eingerichteten Güter besucht. Einen Bericht darüber entnehmen wir Folgendes:

Bekanntlich beginnt das Ansiedelungsgeschäft mit der Taxirung der

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