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VII. Jahrgang. No. 79. Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber: Dr. H. Klee. Berlin, Dienstag, den 21. August 1888.

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deurs Prinzen Arnulf, die er später erwiderte. Am Montag fand die Besichtigung der drei in München garnisonirenden Infanterie-Regimenter, am Dienstag diejenige der ersten Kavallerie-Brigade statt. Von München begiebt sich der Feldmarschall nach Augsburg, am 23. nach Ulm, um Theile des Württembergischen Armeekorps zu besichtigen.


Staatsminister von Bötticher, Staatssekretair des Innern, ist zum Vicepräsidenten des Staatsministeriums ernannt worden.


Herr von Bennigsen wird, wie der „Hannov. Courier" mittheilt, ein Mandat zum Abgeordnetenhause nicht übernehmen; die vor einigen Tagen von nationalliberalen Blättern gebrachte gegentheilige Nachricht war also unbegründet.


Die deutsche Flagge ist am 16. d. Mts. in vierzehn Häfen der Küste von Zanzibar unter dem Donner der Geschütze gemeinsam mit der Flagge des Sultans gehißt worden, nachdem der letztere Tags zuvor der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft die Verwaltung der Küste vertragsmäßig verliehen hatte. Die Hoheits- und Besitzrechte des Sultans werden durch das mit der Gesellschaft geschlossene Abkommen nicht berührt, er hat nur die Ausübung derselben der Gesellschaft gegen eine bestimmte Entschädigung übertragen. Auch die Garnisonen gehen an die Gesellschaft über. Die deutsche Colonie erhält damit an 14 Stellen für ihr Hinterland den Zutritt zum Meere, ein Fortschritt, dessen Bedeutung sich von selbst ergiebt. Während der letzten Wochen weilte außer dem dort stationirten Kreuzer das deutsche Kreuzergeschwader: die Fregatten Leipzig, Olga, Sophie und Gneisenau, an der Küste von Zanzibar.


In Leipzig ist am 18. August das Siegesdenkmal, nächst dem Niederwald-Denkmal das größte und bedeutendste in Deutschland, feierlich enthüllt worden. Der König und die Königin von Sachsen, sowie der Generalfeldmarschall Prinz Georg von Sachsen waren anwesend, ebenso Generalfeldmarschall Graf Moltke; Oberbürgermeister Dr. Georgii hielt die Festrede. Auf einem 6 Meter hohen Postament von dunkelgrünem Granit erheben sich in den vier Ecken die broncenen Reiterfiguren Kaiser Friedrich's III., des Königs Albert von Sachsen, des Fürsten Bismarck und des Feldmarschalls Grafen Moltke. Um diese Reiterfiguren gruppiren sich acht Fahnenträger verschiedener Truppentheile der Armee, von denen je zwei eine Figur umgeben. An der Front des Postaments ist eine Nische angebracht. In dieser sehen wir die ehrwürdige, gleich den Reitern überlebensgroße Heldengestalt des Kaisers Wilhelm I., sitzend auf dem Kaiserstuhl. Sein Haupt ist mit dem Lorbeer bekränzt, seine Rechte erfaßt das auf seinem Schooß liegende Schwert, seine Linke den Reichsapfel; von den Schultern herab fällt der Hermelinmantel. Am Bogenschluß der Nische sind am Postament Reichskrone und Insignien gebildet. Zwischen Pfeilern mit palmartiger Bekrönung zieht sich am Sockel ein Broncefries mit Kriegerscenen. Ueber dem Sockel ragt die Gestalt der siegreichen Germania in Höhe von 3¾ Metern auf. Sie trägt einen weiten, langherabwallenden Brocatmantel, auf dem Haupte einen Flügelhelm. Ihre linke Hand stützt sich auf den Adlerschild, ihre rechte hält das in der Scheide steckende deutsche Schwert, eine Symbolik deutscher Friedensliebe. Auf den freigebliebenen Feldern des Postaments sind drei Broncetafeln eingelassen. Diese tragen folgende Inschriften:

„Unsrer Väter heißes Sehnen, Deutschlands Einheit ist erstritten."

„Unsre Brüder haben freudig für das Reich den Tod erlitten."

„Enkel mögen kraftvoll walten, schwer Errungnes festzuhalten."

Schöpfer des Denkmals ist Professor Rudolf Siemering, welchem König Albert das Komthurkreuz des Albertordens, der Kaiser den Kronenorden zweiter Klasse verliehen hat; eine Deputation der Stadt Leipzig überreichte ihm das Diplom als Ehrendoctor. Feldmarschall Graf Moltke, der seitens der Bevölkerung mit außerordentlich herzlichen und stürmischen Ovationen begrüßt wurde, hat an den Oberbürgermeister Dr. Georgii folgendes Schreiben gerichtet: „Ich darf Ihre Zeit durch persönlichen Besuch nicht in Anspruch nehmen, möchte aber Ihnen doch meinen aufrichtigen Dank für die überaus freundliche Aufnahme hierdurch aussprechen. Gestatten Sie mir, inliegend einen kleinen Beitrag für die Armen der Stadt Leipzig zu überreichen, welcher selbst in dieser schönen Stadt seinen Zweck nicht verfehlen wird. Mit größter Hochachtung Graf Moltke." Beigefügt war der Betrag von tausend Mark.


Herr Boulanger hat am Sonntag einen gewaltigen Wahlsieg dadurch erfochten, daß Monarchisten und Bonapartisten sich seiner als Sturmbock gegen die Republik bedienten und ihm in drei Departements zum Siege verhalfen. –

Er wurde dreimal, und zwar in den Departements Nord, Somme und Charente Inferieure gleichzeitig zum Deputirten gewählt. Das nächste Ergebniß der Nachricht waren in Paris und in einzelnen Provinzialstädten große Straßentumulte, die in Paris bis 2 Uhr Nachts andauerten. In Amiens mußte Infanterie mit dem Bajonet die Straßen räumen.


Der Schriftwechsel zwischen Italien und Frankreich in der Angelegenheit von Massauah ist um ein neues Actenstück. eine Note des italienischen Ministers Crispi bereichert worden, welche erstlich die französische Behauptung, Italien habe der Congo-Acte zuwidergehandelt, damit widerlegt, daß die Besitzergreifung von Massauah vor der Congo-Conferenz erfolgt sei und sodann zu der Frage der Kapitulation bemerkt, wenn ein Land wo Kapitulationen bestehen, in die Verwaltung einer christlichen, civilisirten Macht übergeht, ohne daß die Souveränetät geändert wird, wie in Bosnien, Cypern, Tuuis, hören im Allgemeinen die Kapitulationen nur in Folge Einvernehmens zwischen der okkupirenden Macht und den anderen Mächten auf. Von selbst dagegen hören Kapitulationen auf, wenn ein Land wie Algier, die Dobrudscha und die kraft des Berliner Vertrages an Rußland abgetretenen Gebiete nicht blos in die Verwaltung, sondern in die volle Souveränetät einer christlichen, civilisirten Macht übergeht. Sodann wird mitgetheilt, daß der ganze Widerstand gegen die Communalabgaben in Massauah durch den französischen Consular-Agenten angestiftet worden sei, der nur mehr aus Duldung Consularfunktionen in Massauah ausübte. Noch sonderbarer ist, fügt die Note hinzu, daß derselbe kraft formeller Instruktionen von Paris handelte, wie dies seine Regierung in Beantwoxtung der Reklamationen des italienischen Botschafters Menabrea formell bestätigte. Die Thatsache, daß eine fremde Regierung ohne Provocation, ohne greifbaren Grund die Bevölkerung zur Verachtung der Gesetze des Landes, welches sie bewohnt, aufreizt, ist eine so ernste, daß es, um sie für möglich zu halten, der Erklärung Menabrea's bedurfte, daß er dies aus dem Munde des französischen Ministers des Aeußern vernahm. Es wird sodann darauf hingewiesen, daß derartige Acte mit den Rücksichten, die sich auf Friedensfuß lebende Mächte schulden, wenig vereinbar seien, ebenso das Verhalten des französischen Agenten, der vor dem Kriegszustande und während der Feindseligkeiten vertrauliche politische Beziehungen zu dem Negus und den abessinischen Führern an der Grenze unterhielt.

In Paris hat der ernste Ton der italienischen Note einen tieferen Eindruck gemacht, zumal die Reise Crispi's nach Friedrichsruh unmittelbar auf dieselbe folgt. Bekanntlich nimmt Rußland eine die haltlosen französischen Anschauungen unterstützende Haltung ein, gegen die neuerliche italienische Flaggenhissung in Zulah hat die Pforte den üblichen papiernen Protest erlassen.


Vom Hofe.

Berlin, 21. August 1888.

Unser Kaiser begab sich heute früh gegen 8 Uhr von der Matrosenstation bei Potsdam aus auf dem königlichen Salondampfer „Alexandria" nach Gatow, verließ mit seiner Begleitung dort den Dampfer und bestieg mit derselben die daselbst bereit gehaltenen Pferde um den in der dortigen Umgegend stattfindenden Truppenübungen der Berliner und Spandauer Garnison beizuwohnen. Nach Beendigung der heutigen Manöver gedenkt der Kaiser Nachmittags in Carolinenhöhe einzutreffen, uno ebendaselbst auch zu übernachten. Morgen werden die Manöver in der dortigen Gegend fortgesetzt, worauf der Monarch dann Mittags auf einige Stunden von dort nach Berlin zu kommen und einige Stunden im hiesigen königlichen Schlosse zu verbleiben gedenkt. – Am Abend erfolgt dann die Rückkehr nach Potsdam und am nächsten Morgen die Abreise von dort zu der Johanniter-Ordensfeier nach Sonnenburg.

Ihre Maj. die Kaiserin Königin unternahm gestern bei schönem Wetter eine erste, wenn auch nur kurze Spazicrfahrt in den Anlagen des Neuen-Gartens beim Marmorpalais, welche Allerhöchstderselben recht gut bekommen ist.


Personalien.
Aus der allgemeinen Verwaltung und aus der Verwaltung des Innern.

Die Regierungs-Referendare Raue aus Königsberg, Korb aus Oppeln, Dr. jur. Brückner aus Wiesbaden, Dr. jur. Jentges aus Düsseldorf, Dr. jur. Max Lewald aus Potsdam und von Prollius aus Frankfurt a. O. haben am 18. d. Mts. die zweite Staatsprüfung für den höheren Verwaltungsdienst bestanden.


Verantwortl. Herausgeber: Dr. H. Klee, Berlin SW., Zimmerstr. 87. – Im Selbstverlage des Herausgebers. – Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin, Stallschreiberstr. 34. 35.

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