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VIII. Jahrgang. No. 65. Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber: Dr. jur. O. Hammann. Berlin, Dienstag, den 20. August 1889.

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Fürst Bismarck hat vom Kaiser Franz Joseph als Zeichen der Huld dessen lebensgroße Marmorbüste, von der Königin von England ihr Bildniß erhalten.

Der Herr Reichskanzler hat sich am Dienstag Nachmittag nach Friedrichsruhe, Staatssekretär Graf Bismarck am Montag Abend nach Straßburg begeben, um sich dort dem Gefolge des Kaisers anzuschließen.


Der Schah von Persien hat sich in der letzten Zeit in Baden-Baden aufgehalten, wo er vom Großherzog empfangen worden und dann die Höfe von Stuttgart und München besucht. Er begiebt sich nun nach Wien.


Durch ein Festmahl ist am 16. August der Jahrestag von Mars la Tour seitens des ersten Garde-Dragoner-Regiments (Königin von England) begangen worden. Der Kaiser und Prinz Albrecht wohnten demselben bei; auch waren die Mitglieder der britischen Botschaft eingeladen. Prinz Albrecht brachte den Toast auf die Königin Victoria, als den neuen Chef des Regiments aus, der Regimentscommandeur auf den Kaiser mit dem Wunsche, daß, wenn das Regiment sich nach einer künftigen Schlacht rangire, es Victoria! rufen könne. Der Kaiser trank auf das Regiment und sagte dabei: der Geist, welchen die Gardedragoner auf dem blutigen Schlachtfelde von Mars la Tour gezeigt haben, indem sie sich opferten, um die Kameraden einer anderen Waffe zu retten, sei der richtige Geist, der die ganze Armee beseelen müsse und er hoffe, daß das Regiment immer von diesem Geiste der Kameradschaft durchdrungen bleibt. – Für die britische Botschaft nahm der den abwesenden Botschafter vertretende Geschäftsträger, Mr. Beauclerc, das Wort. Er sagte, daß seine Kollegen und er niemals die Ehre vergessen werden, bei einem Erinnerungsfest eingeladen zu sein, zu Ehren eines Ereignisses, das eines der bedeutungsvollsten der Geschichte sei. Deutschland und Großbritannien seien durch die ältesten Bande der Stammesgemeinschaft vereint, seien von den frühesten Anfängen ihrer nationalen Existenz in fortgesetzter Allianz gewesen. Zu Land und zu See gehen sie nun Hand in Hand behufs Erhaltung des Friedens und zur Förderung des Fortschrittes der Kultur in allen Gegenden der Welt. Die engen Familienbande zwischen den beiden Kaiserlichen Häusern seien durch die ehrenvollen Auszeichnungen, welche die Souveräne wechselten, bezeichnet worden. Er sei stolz, im Namen seiner Monarchin für die herzliche Art danken zu können, mit welcher sie dieselbe als Chef bewillkommneten und für die Gelegenheit, die ihm und seinen Kollegen geworden, mit den Officieren des preußischen Regiments der Königin Victoria bekannt zu werden. Der englische Militärattaché Oberst Frank Russel brachte in fließendem Deutsch die Gesundheit des Prinzen Albrecht, welcher à la suite des Regiments steht, aus. Als englischer Officier bewillkommne er die Ehre, welche der Königin geworden, als ein weiteres Band in der Verbindung zwischen der deutschen und der englischen Armee, welche ihre Kameradschaft auf so vielen historischen Schlachtfeldern besiegelten.

Dieser harmlose Vorgang ist am Montag seitens der englischen Opposition zum Gegenstand einer Verhandlung im Unterhause gemacht worden. Unterstaatssekretär Fergusson erklärte Namens der Regierung die Anwesenheit des englischen Geschäftsträgers und des englischen Militärattachés bei der am 16. d. Mts. stattgehabten Gedenkfeier des jüngst durch den Namen der Königin ausgezeichneten preußischen Garde-Dragoner-Regiments sei ein selbstverständlicher Akt der Artigkeit; die Thatsache, daß es sich dabei um die Jahresfeier der tapferen Rolle jenes Regimentes in der Schlacht von Mars la Tour gehandelt habe, gebe der Sache keine politische Bedeutung. Das heroische Verhalten des Regiments bei jener Gelegenheit sei eine Waffenthat, auf welche alle Deutschen stolz seien und die alle Nationen ohne Rücksicht auf die Geschichte und die Ergebnisse des Krieges, während dessen dieselbe stattgefunden, bewundern könnten. Die Theilnahme englischer Officiere an der Feier scheine spezieller Weisungen nicht zu bedürfen. (Beifall.)


England und der Dreibund.

Die Opposition im englischen Unterhause hat sich bemüht, hinter die Verhandlungen zu kommen, welche während der Anwesenheit unseres Kaisers in England zwischen den deutschen und englischen Staatsmännern gepflogen worden sind. Der Abgeordnete Labouchère fragte am Montag, ob die Behauptung eines Berliner Blattes begründet sei, daß während des Besuchs des deutschen Kaisers in Osborne ein Einvernehmen erzielt worden sei, welches die Identität der Politik zwischen den dem Dreibund angehörigen Mächten und England über die europäischen Fragen sichere und Vorkehrungen für alle Folgen dieser Politik treffe. Unterstaatssekretär Fergusson erwiderte, der fragliche Zeitungsartikel beruhe augenscheinlich auf reiner Vermuthung;

welchen Charakters der Artikel sei, zeige sich in der Angabe desselben, daß die mit Lord Salisbury getroffenen Arrangements von dessen Nachfolgern festgehalten werden würden. Fergusson fügte hinzu, er müsse die Labouchère am 19. vorigen Monats ertheilte Antwort aufrecht erhalten, daß die Aktion der englischen Regierung im Falle eines Krieges ebenso wie bei allen anderen Fragen der Politik durch die jeweiligen Umstände und Englands Interessen entschieden werde. Die Regierung sei keine Verpflichtungen eingegangen, die ihre Freiheit in jener Hinsicht fesselten. Labouchère frug sodann, ob die Antwort so zu verstehen sei, daß absolut keine Unterhaltung über diesen Gegenstand während des Besuchs des deutschen Kaisers stattgefunden habe? Fergusson erwidert, er wisse nicht, welche Unterhandlungen während des Besuchs des deutschen Kaisers stattgefunden hätten, es sei aber absurd, anzunehmen, daß kein Meinungstausch erfolgt sein solle. – Bereits am Sonnabend war das Verhältniß Englands zum Dreibunde zum Gegenstande einer Erörterung im Unterhause gemacht worden. Labouchère verlangte bei der Berathung des Budgetpostens, betreffend den diplomatischen Dienst, Auskunft über die Beziehungen Englands zu Italien und zur Tripelalliance und wünschte zu wissen, ob Lord Salisbury bei den Unterhandlungen mit dem Deutschen Kaiser oder dem Grafen Bismarck die Stellung Englands zur Tripelallianz klar definirt habe und ob derselbe direkt oder indirekt Versicherungen gegeben habe, welche die Mächte vermuthen lassen könnten, daß sich England im Falle eines Krieges der Tripelallianz anschließen dürfte. Der Unterstaatssekretär Fergusson erklärte, Labouchère sei jüngst bei dem Aufwerfen einer ähnlichen Frage bedeutet worden, daß England sich seine volle Aktionsfreiheit reservirt habe. Er könne auch jetzt nur wiederholen, was er bereits im Februar 1888 erklärt habe, daß die Regierung keinerlei Engagements betreffs Verwendung der militärischen oder maritimen Streitkräfte Englands eingegangen sei, ausgenommen diejenigen, welche dem Hause bekannt seien. Kein Land habe ein größeres Interesse an der Erhaltung des Friedens als England, das Angesichts seiner in allen Welttheilen bestehenden Interessen jeder Eventualität gegenüber die Freiheit haben müsse, diejenige Politik zu adoptiren, die seinen Interessen am Besten entspreche. Von den Mächten werde die Gerechtigkeit dieses Vorbehaltes Englands anerkannt. Labouchère erwidert, er würde befriedigt sein durch diese Antwort, wenn Fergusson die Versicherung ertheile, daß Lord Salisbury seit der Uebernahme der Regierung Italien keinerlei Mittheilung gemacht habe, welche dasselbe vermuthen lassen konnte, daß die englische Regierung Italien eventuell gegen die Folgen seiner Allianz mit Deutschland im mittelländischen Meere schützen werde. Wenn Fergusson aber bei der allgemeinen Erklärung des vorigen Jahres beharre, so halte er an dem Glauben fest, daß ein geheimes Einverständniß zwischen Salisbury und der Tripelallianz bestehe. Die Tripelallianz sei gegen Frankreich gerichtet, und Lord Salisbury scheine einen besonderen Haß auf Frankreich zu haben. Der erste Lord des Schatzes, Smith, erwiderte, es sei auch nicht das Atom eines Grundes vorhanden für solche Lord Salisbury und der englischen Regierung von Labouchère zugeschriebenen Ansichten. – Ein Antrag Mac Arthurs, das Gehalt des Botschafters in Rom um 500 Pfd. Sterling zu kürzen, um damit Protest gegen die ausweichende Antwort seitens der Regierung einzulegen, wurde mit 118 gegen 61 Stimmen abgelehnt.


Personalien.
Aus der allgemeinen Verwaltung und aus der Verwaltung des Innern.

Der Landrichter von dem Busch zu Neuwied ist zum Regierungsrath ernannt worden.

Der Landrath Freiherr von Brackel zu Plön ist zum Regierungsrath ernannt.

Der Regierungs-Assessor Dr. jur. Boehlke zu Posen ist an die Königliche Regierung zu Gumbinnen versetzt worden.

Dem Regierungs-Assessor von Marcard zu Lüneburg ist die kommissarische Verwaltung des Landrathsamtes im Kreise Gersfeld, Regierungs-Bezirk Cassel, übertragen worden.

Dem Regierungs-Assessor Hoffmann zu Gumbinnen wird vom 1. Oktober d. Is. ab die kommissarische Verwaltung des Landrathsamtes im Kreise Stallupoenen, Regierungs-Bezirk Gumbinnen, übertragen werden.

Dem ersten Bürgermeister der Stadt Cottbus, Dr. Mayer, ist der Titel als Oberbürgermeister verliehen worden.

Der Bürgermeister der Stadt Allenstein, Belian, ist in gleicher Eigenschaft für eine fernerweite zwölfjährige Amtsdauer bestätigt worden.


Verantwortl. Herausgeber: Dr. jur. O. Hammann, Berlin SW., Zimmerstr. 87. – Im Selbstverlage des Herausgebers. – Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin, Stallschreiberstr. 34. 35.

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