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VIII. Jahrgang. No. 77. Neueste Mittheilungen.
Verantwortlicher Herausgeber: Dr. jur. O. Hammann. Berlin, Dienstag, den 1. Oktober 1889.

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Königlich Sächsischen Statistischen Büreaus in Dresden, Dr. Victor Böhmert „Das Armenwesen in 77 deutschen Städten und einigen Landarmenverbänden" aufmerksam gemacht worden. Es enthält ein reichhaltiges statistisches Material und ist zur Orientirung auf dem Gebiete des öffentlichen Armenpflegewesens wohl geeignet.


Politische Tagesfragen.

Unser Kaiser empfing am Montag die sansibaritische Gesandtschaft in feierlicher Audienz. Die Gesandtschaft wurde geleitet vom Zeremonienmeister von Usedom, dem Generalkonsul in Zanzibar, Michahelles, dem Major vom großen Generalstabe, Liebert, und dem Dolmetsch Michalla und am Portal des Neuen Palais in Potsdam vom Oberzeremonienmeister Grafen Eulenburg und dem Staatssecretär Grafen Bismarck empfangen. In seiner Erwiderung auf die in arabischer Sprache vorgetragene dann übersetzte Ansprache des ersten Gesandten drückte der Kaiser die Hoffnung auf freundschaftliche Beziehunpen der beiden Regierungen aus. Der Kaiser nahm sodann die überbrachten Geschenke in Augenschein. Dieselben bestehen in erster Reihe aus einem werthvollen Säbel, dessen Griff und Scheide in getriebener Goldarbeit hergestellt sind, ferner aus einer silbernen Platte mit eingelegter Goldarbeit, aus einer Kaffeekanne und drei kleinen Gefäßen in Silber und Gold, aus zwei Dutzend Messern in Lamu-Arbeit mit Elfenbeingriff und eingelegtem Gold und aus einem Dolch mit Elfenbeingriff. Auch der Kaiserin wurden werthvolle Geschenke überreicht, insbesondere in goldener Halsschmuck. Die Geschenke, welche der Kaiser den Gesandten verabreichen ließ, bestehen in Gewehren und goldenen Uhren. Dem Generalconsul wurde durch den Minister Grafen Bismarck der rothe Adlerorden überreicht.


Das Kaiserpaar ist Dienstag früh nach Schwerin abgereist und wird voraussichtlich bis zum Freitag zum Besuche am Großherzoglichen Hofe daselbst verweilen. Auch der russische Botschafter in Berlin, Graf Schuwaloff, wird während des Aufenthalts des Kaiserpaares in Schwerin anwesend sein.


Kaiserin Augusta beging am Montag in Baden-Baden in aller Stille ihren 78. Geburtstag. Von Neuem weckte der Tag die lebhaftesten Dankeswünsche im deutschen Volke für das segensreiche Wirken der hohen Frau. Bei den Majestäten in Potsdam fand zu ihren Ehren ein Mahl von 30 Gedecken statt. – Kaiserin Augusta hat dem Oberpräsidenten Dr. v. Bardeleben das Bildniß ihres Gemahls, des Kaisers Wilhelm I., mit folgendem Handschreiben übersandt:

Ich habe Ihnen mündlich und schriftlich Meinen aufrichtigen Kummer über Ihr Scheiden ausgedrückt und Ihnen gedankt für die Beweise einer Anhänglichkeit, die Ich als Erbtheil Ihrer trefflichen Eltern betrachte. Den Ausdruck dieser Empfindung kann Ich nicht wiederholen, ohne auf das Bedauern hinzuweisen, das Ihr Rücktritt aus dem Staatsdienst allgemein, insbesondere aber in der Rheinprovinz hervorruft, ein Bedauern, das Ich im Interesse der letzteren nur theilen kann, da es der Gesinnung des hochseligen Kaisers für Sie entspricht. Sein Bildniß Ihnen als Andenken zu widmen, dient als Erinnerung an die Zeit, wo wir gemeinsam Schloßbewohner von Koblenz waren.

Baden-Baden, 25. September 1889. Augusta.


Dem Bundesrath ist wieder eine Anzahl von Spezialetats für 1890/91, darunter der Etat der Post- und Telegraphen-Verwaltung, der Stempelabgaben, des allgemeinen Pensionsfonds, des Reichsinvalidenfonds, der Reichsschuld, des Reichsschatzamts, der Zölle und Verbrauchssteuern und der Marineetat zugegangen, so daß nur noch der Militäretat aussteht. Die Erledigung des Reichshaushalts im Bundesrath kann recht wohl in 2–3 Wochen erfolgen, so daß die Einberufung des Reichstags für Beginn des letzten Drittels des Oktobers erwartet werden kann.


Erwerbung des deutsch-norwegischen Telegraphenkabels.

Nach Vereinbarung mit der Königlich norwegischen Telegraphenverwaltung ist im Jahre 1879 zwischen Deutschland und Norwegen eine unmittelbare Telegraphenverbindung mittels unterirdischen dreiadrigen Seekabels von Hoyer nach Arendal hergestellt worden. Die Legung des

Kabels war nach dem Vertrage vom 12. März 1879 dem Dr. Lasard als Leiter der Aktiengesellschaft für Legung und Unterhaltung des deutschnorwegischen Kabels übertragen. Die Gesellschaft hat vertragsmäßig die Unterhaltung des Kabels zu besorgen. Zur Ausführung des Unternehmens ist ein Anlagekapital von 1750 000 ℳ erforderlich gewesen. Dies Kapital wird von der Gesellschaft mit 1 Procent jährlich zu Gunsten des Deutschen Reichs amortisirt. Für die Herstellung, Legung und Unterhaltung des Kabels zahlt die Reichs-Telegraphenverwaltung, welche ihrerseits den Betrieb führt und die auf den Seeweg entfallenden Telegrammgebühren bezieht, der Gesellschaft eine feste Vergütung von 140 000 Mark jährlich und daneben, unter gewissen Bedingungen, einen Antheil an Beförderungsgebühren für transitirende Telegramme nach und von England. Das Kabel befindet sich in durchaus gutem, betriebsfähigen Zustande.

Nach § 7 des Vertrages ist der Reichs-Telegraphenverwaltung das Recht vorbehalten, das Kabel mit Ablauf eines jeden Geschäftsjahres der Gesellschaft, nach voraufgegangener dreimonatiger Kündigung, käuflich zum Eigenthum zu erwerben. Als Kaufpreis ist der Nennwerth der noch nicht amortisirten Aktien nach Abzug der Reservefonds und der nach Auszahlung des Gewinns des letzten Geschäftsjahres der Gesellschaft verbleibenden Betriebsfonds, welche beide der Telegraphenverwaltung anheimfallen, zu zahlen. Die Reichstelegraphenverwaltung hält den Zeitpunkt für Erwerbung des Kabels jetzt für gekommen. Die Angelegenheit wird im neuen Reichsetat zur Erledigung kommen.


Aus Deutsch-Ostafrika meldet ein Wolff'sches Telegramm aus Sansibar vom Sonntag: „Aus Mpapwa eingetroffene Briefe bestätigen, daß Buschiri vor zwei Monaten einen deutschen Missionar getödtet hat, und melden, daß derselbe sodann einen englischen Missionar gefangen zu nehmen versuchte. Dieser entdeckte jedoch den Anschlag und entkam nach Ugogo. – Die Beendigung der Blokade ist noch nicht angekündigt. Der deutsche Aviso „Pfeil" tritt am Dienstag die Rückreise nach Europa an, auch das italienische Schiff „Staffetta" wird bald von hier weggehen."


Die Königin Natalie von Serbien ist am Sonntag Nachmittag 4½ Uhr mittelst Separatschiffes in Belgrad eingetroffen. Als das Schiff in Sicht kam, brach die Menge in Ziviorufe aus, welche sich fortdauernd steigerten. Die Königin, welche schwarz gekleidet war, bestieg den bereitstehenden Wagen, zu welchem die Polizei den Weg bahnen mußte, und fuhr zunächst nach der Kirche, deren Thore jedoch geschlossen waren; von der Geistlichkeit war Niemand anwesend. Vor der Kirche erneuerten sich die Ovationen der Menge, ebenso bei der Fahrt nach dem Absteigequartier der Königin, welches diese im Hause der Madame Bujak genommen. Als der Wagen den Konak passirte, waren die sonst offenen Thore geschlossen. Ein offizieller Empfang fand nicht statt. Das amtliche Belgrader Blatt veröffentlicht folgende Notiz: „Da die Königin kommt, ohne daß ein vorheriges Einvernehmen betreffs ihrer künftigen Beziehungen zum königlichen Hofe erzielt worden, findet bei der Ankunft ein feierlicher Empfang nicht statt. Die Regelung der künftigen persönlichen Beziehungen des Königs Alexander zur Königin-Mutter steht verfassungsmäßig ausschließlich der Kompetenz des Königs Milan anheim."

Die Königin hat sich bis jetzt geweigert, auf die Verpflichtung eines nur zeitweisen Aufenthalts in Belgrad einzugehen.

König Milan begiebt sich inzwischen von Karlsbad nach der Schweiz und beabsichtigt, der Pariser Weltausstellung einen Besuch zu machen.


Personalien.
Aus der allgemeinen Verwaltung und aus der Verwaltung des Innern.

Der seitherige besoldete Beigeordnete (zweite Bürgermeister) Heinzel zu Sorau ist in gleicher Eigenschaft für eine weitere zwölfjährige Amtsdauer bestätigt worden.

Aus dem Kultusministerium.

Zum 1. Oktober d. Is. ist der seitherige Direktor der Königlichen Wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen, Präsident der Staatsschulden-Verwaltung, Wirklicher Geheimer Rath Dr. Sydow auf seinen Antrag von der Stellung als Direktor der Deputation in Gnaden entbunden und an seiner Stelle der Unterstaatssekretär und Direktor der Medizinal-Abtheilung des Cultusministeriums Nasse zum Direktor der Deputation von Sr. Majestät ernannt worden.


Verantwortl. Herausgeber: Dr. jur. O. Hammann, Berlin SW., Zimmerstr. 87. – Im Selbstverlage des Herausgebers. – Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin, Stallschreiberstr. 34. 35.

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