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No. 6. Provinzial-Correspondenz.
Zweiter Jahrgang.
10. Februar 1864.

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unmittelbar in Wagen hinter den fliehenden Feind her weiter befördert. Das Gros der Armee bivouakirte die Nacht am Ufer bei heftigem Schneegestöber, trotz aller Mühsale, froh und voll Begeisterung.

Mit dem ersten Granen des Morgens begann der Bau einer Brücke über die Schlei unter unmittelbarer Leitung des Prinzen Friedrich Karl. »Das Leben und Treiben dort – so berichtet ein Augenzeuge, – die Regelmäßigkeit der schwierigen Arbeit (an beiden Ufern stand haltloses Eis) war unbeschreiblich. Joch auf Joch legte sich die Brücke in gerader Linie über den Meeresarm bis zur Landung am jenseitigen Ufer, wo sich die Bevölkerung der kleinen Stadt in zahlreichen Gruppen versammelt hatte.«

Um 10 Uhr war Alles fix und fertig, und nun begann der Uebergang, vornan die Prinzen Friedrich Karl, Albrecht Vater und Sohn und der Großherzog von Mecklenburg. Am jenseitigen Ufer wurde der Feldherr von den Bewohnern des Ortes auf das lebhafteste und freudigste begrüßt, und noch während das Gros hinüberging, begann er mit den Husaren sofort die Verfolgung des Feindes. Die Wegabhänge zur Brücke waren übrigens durch Nässe und Frost so voll Glatteis, daß Asche gestreut werden mußte und die Passage äußerst schwierig war; dennoch wurde sie mit nur geringen Unfällen ausgeführt. Kaum hatte der Prinz die Schlei passirt, so traf auch schon die Nachricht ein, daß der Däne bereits Schleswig und das ganze Danewerk aufgegeben hatte.


(Die Räumung des Danewerks und der Rückzug der Dänen.) Sobald die Dänen in und vor der Stadt Schleswig durch die von ihnen ausgestellten Feuerzeichen (Fanalstangen) von dem Uebergange der ersten Preußen in der Nacht Kunde erhalten hatten, räumten sie in größter Hast die Stadt und das gesammte Danewerk nebst Missunde und flohen nach Flensburg zu, – mit ihnen auch König Christian, welcher sich dann später nach Kopenhagen geflüchtet hat. Der Feind hatte zu diesem eiligen Rückzuge seinen guten Grund. Denn während er für den 6ten einen Hauptangriff durch die Oesterreicher von Süden her erwarten mußte, drohten die Preußen, von Norden her ihm den Rückweg zu verlegen. Da war also keine Zeit zu verlieren, nicht einmal zur Vernagelung der 60 schweren Geschütze, welche nachher in den Schanzen vorgefunden wurden.

Die Oesterreicher und die preußische Garde-Division, welche vor Schleswig standen, hatten vom Feldmarschall Wrangel Tags zuvor den Befehl erhalten, am 6. in aller Frühe sich vor den Schanzen des Danewerks zu vereinigen und die Schanzen aus den in der Nacht fertig zu machenden Batterien zu beschießen, um den Feind hier festzuhalten, bis der Prinz Friedrich Karl bei Arnis übergegangen, und um nachher den Dänen auf ihrem Rückzuge rasch zu folgen.

Um 4 Uhr Morgens wurde der Abmarsch der Dänen von den Vorposten des österreichischen Armee-Corps entdeckt und die Verfolgung sofort angetreten, so daß die Avantgarde schon um 5 Uhr Morgens in Schleswig stand, während die hiervon benachrichtigte preußische kombinirte Garde-Infanterie-Division gleichfalls sogleich zur Verfolgung antrat.

Der Feldmarschall erhielt die Meldung von diesem glücklichen Ereignisse um 8 Uhr Morgens im Hauptquartier Dahmendorf und brach sogleich, begleitet von Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen und seinem Stabe nach Schleswig auf, nachdem Adjutanten an beide Corps und an die Division mit dem Befehl vorausgesandt worden, die Verfolgung so schnell und energisch als möglich in der Richtung auf Flensburg fortzusetzen. Dennoch gelang es der Avantgarde nicht, den abziehenden Feind sogleich zu erreichen, da derselbe sich mit einer fluchtähnlichen Eile zurückzog und stehen gebliebene Geschütze und Pulverkarren dafür zeugten, daß Demoralisation in den Reihen derselben eingerissen sei. Die deutschen Truppen hatten bereits 3 Tage bivouakirt, waren seit morgens 4 Uhr in unausgesetztem Marsch, dabei die Chaussee so glatt, daß sie für Reiter kaum passirbar, und das Wetter durch Schneegestöber höchst ungünstig; trotzdem wurde die Verfolgung fortgesetzt und die Avantgarden-Brigade Nostitz stieß nördlich Oversee auf die feindliche Arrièregarde, ungefähr 8 Bataillone, einige Eskadrons und mehrere Geschütze stark. Nach hartnäckigem Kampfe wurden die Dänen mit großem Verlust bis Flensburg zurückgeworfen.

Das war der nächste, unmittelbarste Erfolg des glücklichen Ueberganges über den Arnis. Ohne erhebliche Opfer ist die vereinigte Armee zum Herrn der starken Danewerk-

Stellung gemacht, während man vorher besorgen mußte, daß hier Tausende ihr Leben einbüßen würden. Der Feind ist im eiligen Rückzuge. Die ganze Armirung der Schanzen, wohl an 100 Geschütze mit vieler Munition, ist in den Werken, ebenso die Schiffsbrücke bei Missunde bei dem eilfertigen Abzuge stehen geblieben.

Eine dänische Post mit vielen Briefen und 1200 Rthlr. Militairgeldern ist erbeutet. Vieles Material ist ferner noch auf dem Rückzuge von den Dänen auf der Chaussee in Stich gelassen. Mehrere hundert Gefangene sind eingebracht.


Ueber das Treffen bei Oeversee wird nachträglich noch Folgendes berichtet: Der Rückzug aus der Danewerkstellung erfolgte in der Weise, daß die schleswigschen Bataillone vorauf marschirten, die allein kriegslustigen Inseldänen die Nachhut bildeten. Die Oesterreicher, welche den Feind mit gewohntem Feuer verfolgten, holten denselben am Abend bei Oeversee (1½ Meilen diesseits Flensburg) ein und brachten ihn zum Stehen. Ungestüm warfen sich die österreichischen Husaren auf die seeländischen Linien-Bataillone. Es gelang aber den Dänen, unbemerkt einen starken Hinterhalt in ein dort belegenes Gehölz zu werfen und dadurch in den Reihen der Husaren große Verheerung anzustellen. Da warfen sich die Regimenter Martini und König von Belgien ins Gefecht, nahmen das Gehölz und brachten die Dänen zum Weichen. Doch zogen diese in guter Ordnung und unter fortwährendem Gefecht zurück nach Flensburg. Die Verluste der Oesterreicher in den gestrigen Gefechten gab ein österreichischer Offizier auf allein 1000 bis 1200 Todte (?) an. Das Regiment König von Belgien soll zwei Drittel seiner Offiziere verloren haben. Von den Dänen, welche ausgezeichnet gefochten, ist das 1. (Kopenhagener) Linienbataillon so gut wie aufgerieben. 8 Kanonen und 600 Gefangene sind in die Hände der Oesterreicher gefallen.

Nach späteren, jedoch unzuverlässigen Nachrichten hätten die Oesterreicher und Preußen bei und in Flensburg nochmals harte mörderische Gefechte mit den Dänen gehabt; die neuesten telegraphischen Nachrichten widersprechen dem.


(Das weitere Vorgehen des Prinzen Friedrich Karl.) Während die Oesterreicher und die preußische Garde auf dem linken Flügel die Dänen vor sich her trieben, war es die Aufgabe unseres Prinzen, auf dem rechten Flügel längs der Küste so rasch vorzugehen, daß er wo möglich noch vor den Dänen hinter Flensburg ankäme und ihnen den Rückzug aus Schleswig ganz abschnitte.

In der That scheint der Prinz mit fast unglaublicher Schnelligkeit von Arnis bis nach Glücksburg über Flensburg vorgerückt zu sein. Um auf den schlechten, durch Schneegestöber noch erschwerten Wegen mit der Infanterie rascher vorwärts zu kommen, soll der energische Feldherr tausend Wagen aufgetrieben haben. Sicher scheint zu sein, daß er den sieben Meilen langen Weg von der Schlei bis nach Glücksburg so rasch zurückgelegt hat, daß er schon am 7. Februar, also an dem Tage nach dem Uebergange bei Arnis, sein Hauptquartier in Glücksburg hatte. Glücksburg liegt auf der Südseite der Flensburger Bucht. Von Flensburg aber können die Dänen entweder den Rückzug nach der Insel Alsen oder nördlich nach Jütland versuchen. Um ihnen den Weg nach Alsen zu wehren, kommt es darauf an, die jenseits der Flensburger Bucht gelegenen sehr stark befestigten Düppeler Schanzen zu besetzen. Um aber rasch von Glücksburg nach Düppel zu kommen, muß über die Flensburger Bucht übergesetzt werden. Es heißt nun, der Prinz habe bald nach der Ankunft in Glücksburg einen Theil seiner Soldaten in hunderten von Fischerkähnen über den Meeresarm hinübersetzen und die Düppeler Schanzen, welche schwach vertheidigt waren, nehmen lassen. Gleichzeitig aber sei er mit anderen Truppen weiter nach Norden auf Apenrade vorgerückt, um den Dänen den Weg auch dorthin abzuschneiden. Wenn sich Beides bestätigt (was jedoch nach den neuesten Nachrichten sehr zweifelhaft ist), so würde dadurch der Untergang der ganzen dänischen Armee wahrscheinlich sein, da dieselbe dann zwischen den Preußen und den nachrückenden Oesterreichern in die Mitte genommen würde.

Doch wie das auch sich weiter entwickeln möge, – schon jetzt sind die Erfolge des kurzen Feldzugs so entscheidend, daß die Räumung von ganz Schleswig Seitens der Dänen unzweifelhaft ist,

Es wird jetzt darauf ankommen, die Erfolge des raschen und kräftigen kriegerischen Vorgehens auch bei den bevorstehenden weiteren Verhandlungen dazu zu

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