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No. 12. Provinzial-Correspondenz.
Fünfter Jahrgang.
20. März 1867.

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einig darüber, daß wir streng juristisch im Kriege uns befanden, daß wir aber beiderseitig kein Interesse daran hätten, den Krieg zu führen, und glaubten deshalb beide auf unser Wort, daß wir nicht auf einander schießen würden. Daß hierin eine Bedrohung der Niederlande liege, wird man wohl nicht annehmen können. Bekannt ist, daß die Königlich niederländische Regierung wünscht, das Band, welches Limburg an Deutschland fesselt, zu lösen. Wir haben die Ueberzeugung, daß, wenn wir mit Entschiedenheit darauf beständen, daß Limburg dem Bunde beiträte, wir den Niederlanden Anlaß zu Besorgnissen geben würden, indem dadurch eine Zerreißung der staatlichen Einheit stattfinden würde, ähnlich, wie sie die polnischen Herren Abgeordneten in Preußen herbeiführen möchten. Wir haben diese Zumuthung nicht gestellt. Aus Luxemburg ist ein Wunsch in dieser Beziehung bis jetzt nicht gehört worden. – Von uns ist auf die Zugehörigkeit der betreffenden Gebietstheile der Niederlande bis jetzt weder verzichtet, noch auch durchaus bestanden worden. Wir wollen den Souverainen weder Gewalt noch Zwang anthun, und wenn einer der jetzt mit uns verbündeten Souveraine sich durchaus geweigert hätte, dem Bunde beizutreten, so hätte die geographische Situation des Landes schon sehr zwingend sein müssen, wenn wir uns hätten veranlaßt sehen sollen, einen Druck anzuwenden. Denn wir haben augenblicklich durchaus kein Interesse daran, den Zunder, der den europäischen Frieden bedroht, in irgend einer Weise zu vermehren."


Bündnißverträge Preußens mit Bayern und Baden.

Den mehrfach geäußerten Besorgnissen wegen der Trennung von Nord- und Süddeutschland hatte der Minister-Präsident Graf Bismarck jüngst die Versicherung entgegengestellt, daß er die Vereinigung von Nord- und Süddeutschland jedem Angriffe gegenüber in allen Fragen, wo es sich um die Sicherheit des deutschen Bodens handele, für vollständig gewiß halte. In Süddeutschland könne kein Zweifel darüber sein, daß, wenn dasselbe in seiner Selbstständigkeit gefährdet werden sollte, Norddeutschland ihm unbedingt brüderlich beistehen werde, – im Norden sei ebenso kein Zweifel darüber, daß wir des Beistandes Süddeutschlands gegen jeden Angriff, der uns treffen könnte, vollständig sicher seien.

Als nichtsdestoweniger bei den weiteren Berathungen von Neuem die Besorgniß geäußert wurde, daß die süddeutschen Staaten sich bei eintretender Gefahr möglicher Weise mit dem Auslande gegen Preußen verbinden könnten, sagte Graf Bismarck: um ein solches Schreckbild zu verscheuchen, wolle er zu dem, was er bereits angedeutet, noch hinzufügen, daß die Beziehungen zwischen Nord- und Süddeutschland beim Friedensschlusse bereits vertragsmäßig verbürgt seien.

Zwei Bündnißverträge, durch welche dies geschehen ist, sind jetzt veröffentlicht worden: der eine ist zwischen Preußen und Bayern, der andere zwischen Preußen und Baden abgeschlossen, und zwar an denselben Tagen, wo auch die Friedensverträge mit Baden und Bayern zu Stande gekommen waren (17. u. 22. August 1866).

Der Eingang der Verträge besagt, Sc. Majestät der König von Preußen und Se. Majestät der König von Bayern (– sowie Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden –), beseelt von dem Wunsche, das künftige Verhältniß der Fürsten und ihrer Staaten möglichst innig zu gestalten, haben zur Bekräftigung des von Ihnen abgeschlossenen Friedensvertrages beschlossen, weitere Verhandlungen zu pflegen.

Die Vertragsbestimmungen selbst, über welche sich die Regierungen geeinigt haben, sind folgende:

1) Zwischen dem Könige von Preußen und dem Könige von Bayern (dem Großherzoge von Baden) wird ein Schutz- und Trutzbündniß geschlossen.

Sie gewährleisten sich gegenseitig die Unverletzlichkeit des Gebietes ihrer Länder und verpflichten sich, im Fall eines Krieges ihre volle Kriegsmacht zu diesem Zwecke einander zur Verfügung zu stellen.

2) Der König von Bayern (sowie der Großherzog von Baden) überträgt für diesen Fall den Oberbefehl über seine Truppen dem Könige von Preußen.

3) Die Regierungen verpflichteten sich (im August v. J.), diese Verträge vorerst geheim zu halten.


Nachdem nunmehr die Gründe der vorläufigen Geheimhaltung dieser Verträge geschwunden sind, werden alle deutschen Herzen aus den offen vorliegenden Bestimmungen des Bündnisses die freudige Beruhigung schöpfen, daß eine Besorgniß wegen einer Spaltung und Zerrissenheit Deutschlands dem Auslande gegenüber keinen thatsächlichen Grund mehr hat, daß die preußische Regierung vielmehr, indem sie als Grenzlinie für den Norddeutschen Bund die Mainlinie annahm, doch alsbald vollen Ernst damit machte, das nationale Band mit Süddeutschland, wie im Friedensvertrage mit Oesterreich vorbehalten war, durch besondere Verträge wieder anzuknüpfen. Man kann jetzt klar erkennen, daß unsere Regierung schon bei den Friedensschlüssen mit den süddeutschen Staaten vor Allem

von dem Gesichtspunkte geleitet wurde, an die Stelle der vorhergehenden Zerwürfnisse alsbald ein Band aufrichtiger und inniger Bundesfreundschaft treten zu lassen.

Als eine unmittelbare Folge der Bündnißverträge, durch welche dem Könige von Preußen für den Fall des Krieges der Oberbefehl über die Truppen seiner süddeutschen Verbündeten übertragen wird, ist die jüngst getroffene militairische Vereinbarung der süddeutschen Staaten anzusehen, nach welcher die Heereseinrichtungen Süddeutschlands in wesentlicher Uebereinstimmung mit denen Preußens und des Norddeutschen Bundes geordnet werden sollen.

So ist denn schon jetzt volle Gewißheit vorhanden, daß die Mainlinie, welche die Grenze des Norddeutschen Bundes bezeichnet, doch keine Grenzscheide für die nationale Einigung sein soll, daß vielmehr die gemeinsame nationale Kraft fortan auf festeren Grundlagen ruhen wird, als je zuvor.

In dieser nationalen Kraft werden Deutschland und Europa vor Allem die feste Grundlage und Sicherung eines dauernden Friedens erkennen.


Se. Majestät der König empfingen vor einigen Tagen die beiden ersten Geistlichen der Herzogthümer Holstein und Schleswig, Bischof Koopmann in Altona und General-Superintendent Godt in Schleswig, und nahmen von ihnen die Bezeugung ihrer Ehrfurcht, so wie die Bitte um ferneren Schutz für die evangelisch-lutherische Kirche in den Herzogthümern entgegen. Se. Majestät ertheilte ihnen die erneuerte, huldvolle Zusicherung, daß Ihm nichts so sehr am Herzen liege, als daß der religiöse Glaube im Volke, auch bei dem Vorhandensein konfessioneller Verschiedenheiten, mit Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit gepflegt werde und daß die evangelische Kirche in den Herzogthümern wie anderwärts, des Königlichen Schutzes in ihrem väterlichen Glauben und Bekenntnisse gewiß sein dürfe.


(Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuer-Veranlagung) werden jetzt von dem Finanzministerium nach den einzelnen Regierungs-Bezirken in umfassendster Weise dargelegt. Die Arbeit, von welcher zunächst drei Bände (über die Regierungs-Bezirke Stettin, Cöslin und Erfurt) herausgegeben sind, verspricht eines der wichtigsten und interessantesten Werke über die landwirthschaftlichen Zustände unseres Landes zu werden, ein Werk, wie es in solcher Ausdehnung und Genauigkeit noch in keinem Staate vorhanden ist.

Von jedem Orte, jedem selbstständigen Gutsbezirke im preußischen Staate wird angegeben:

Die Zahl der Einwohner;

Die Fläche des Ackerlandes nach Klassen, dessen Gesammtertrag und der durchschnittliche Reinertrag pro Morgen;

Die Fläche der Gärten, Wiesen, Weiden, Holzungen, Wasserstücke und des Oedlandes, ebenfalls nach Klassen und mit Hinzufügung des Gesammtreinertrages und des durchschnittlichen Reinertrages pro Morgen;

Die Fläche des Unlands;

Von den steuerpflichtigen Liegenschaften: der Gesammtflächeninhalt, Gesammtreinertrag, Durchschnittsreinertrag pro Morgen, Jahresbetrag der Grundsteuer und Grundsteuer pro Morgen;

Von den steuerfreien Liegenschaften: der Gesammtflächeninhalt, Gesammtreinertrag und durchschnittliche Reinertrag pro Morgen;

Die Fläche der wegen ihrer Benutzung zu öffentlichen Zwecken ertraglosen Grundstücke, Hofräume, Gebäude und unter einem Morgen großen Hausgärten;

Von den Gebäuden: die Zahl der steuerpflichtigen Wohn- und gewerblichen Gebäude und der Jahresbetrag der Gebäudesteuer, die Zahl der steuerfreien Gebäude.

Den Nutzen, welchen dieses Werk stiften, die Ergebnisse, zu welchen es durch den Weiterbau seines Inhalts führen kann (sagt eine berufene Stimme), sind geradezu unabsehbar, und für die weiteren Ermittelungen in Betreff des Standes der Landwirthschaft ist damit eine Grundlage gewonnen, deren überaus große Bedeutung von der großen Menge erst allmälig erkannt werden wird. Der naturwissenschaftlichen Untersuchung der Bodenarten eröffnet das Werk breite Pforten; für das Studium der Feldsysteme, der Fruchtfolgen und Anbauverhältnisse ist es unschätzbar. Es erscheint deshalb angemessen, auf das Erscheinen und den demnächstigen weiteren Fortgang des Werkes aufmerksam zu machen.


Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin. Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).
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