ZEFYS > Amtspresse Preußens
 

No. 7. Provinzial-Correspondenz.
Zweiundzwanzigster Jahrgang.
13. Februar 1884.

Seite:   1 | 2 | 3 | 4 
 

gesetze von 1880 und 1881, die Thron- und Eröffnungsreden der beiden letzten Jahre und die am 22. Februar v. J. abgegebenen Erklärungen des Finanzministers übereinstimmend bezeugen, ist die Steuerpolitik der Regierung auf die Erreichung dieses Ziels gerichtet. Die vorigjährige Bescheidung bei der Befreiung der beiden untersten Stufen ist lediglich mit Rücksicht darauf erfolgt, daß damals die Mittel zur Deckung des Ausfalls fehlten, welchen die Befreiung zweier weiterer Stufen im Gefolge gehabt hätte. Die von der Staatsregierung gegenwärtig vorgeschlagene Steuerreform verfolgt wesentlich den Zweck, die Mittel zu solcher Deckung zu beschaffen: soll im Sinne der bisher von der Steuerkommission gefaßten Beschlüsse auf den Zweck verzichtet werden, so verliert das vorgeschlagene Mittel das beste Theil seiner Bedeutung. – Es kann darum nur wiederholt werden, was an dieser Stelle bereits bei Gelegenheit der Generaldebatte über die Steuervorlagen gesagt worden: Abänderungsvorschläge, vom Standpunkte der Steuergerechtigkeit und Steuertechnik, welche Einzelheiten zum Gegenstande haben, werden bereitwillige Berücksichtigung finden, an dem Ausgangspunkte ihrer Vorschläge muß die Staatsregierung dagegen unbedingt festhalten, weil sie in der Entlastung der ärmeren Klassen eine sozialpolitische Nothwendigkeit, eine sittliche Pflicht sieht, deren Erfüllung wohl verzögert, aber nicht aufgegeben werden kann.


Rede des Kultusministers Dr. von Goßler
im Abgeordnetenhause am 11. Februar.
(Nach dem Abgeordneten Bachem.)

Ich will mich nur gegen die Auffassung wenden, als ob irgendwie in der Kunstverwaltung das Bestreben bestehe, die Provinzen zu Gunsten von Berlin zu vernachlässigen, und Berlin eine Stellung zu geben, die über seine Berechtigung hinausgeht. Ich habe schon neulich bei der Diskussion über die Konservirung der Alterthümer in den Provinzen darauf hinzuweisen mir erlaubt, daß Millionen ausgegeben worden sind, lediglich um die großen Reste einer vergangenen Bauperiode in den Provinzen wieder in würdigen Zustand zurückzuführen. Von allen diesen Millionen hat Berlin nicht einen Pfennig bekommen, das müssen Sie Alles den Provinzen auf das Konto schreiben. Die Provinzen können doch in der That nur eine Ehre darin erblicken, daß dafür gesorgt wird, die Reste einer großen Bauperiode aus der Vergangenheit für die Gegenwart und die Zukunft zu sichern.

Wenn ich Ihnen nun eine flüchtige Uebersicht geben darf, wie der Staat die Mittel, welche für Kunstzwecke ausgesetzt sind, verwendet, so werden Sie, wie ich überzeugt bin, dem Herrn Abgeordneten Bachem nicht beistimmen; wir haben, wie der Herr Abgeordnete Reichensperger bemerkte, 300 000 Mark jährlich ausgesetzt. Diese kommen aber nicht allein für die National-Galerie, sondern zugleich auch zur Pflege der monumentalen Plastik, der Malerei und des Kupferstichs zur Verwendung. Von diesen 300 000 Mark sind nach meiner Berechnung für einen zehnjährigen Zeitraum, also von einer Summe von 3 000 000 Mark, für die National-Galerie nur wenig mehr als ⅓ verwandt worden, nämlich 1 200 000 Mark. Der Rest, mit 1 400 000 Mark ist lediglich zur Hebung der monumentalen Plastik und der Malerei verwandt worden, 200 000 Mark stehen in dieser Hinsicht noch im Soll, 150 000 Mark sind für den Kupferstich verwendet, und es befindet sich unter den dabei Bedachten meines Wissens bisher nur ein Berliner Künstler, Professor Mandel; 150 000 Mark sind ausgegeben worden für Entwürfe, Reisen, Konkurrenzen u. s. w.

Das Wichtigste ist, sich klar zu machen, wie die 1 400 000 Mark verwendet worden sind für Monumentalplastik und für Malerei. Schon neulich habe ich Ihnen gewissermaßen improvisirt ein ungefähres Bild gezeichnet über diese Verwendungen von Insterburg bis Saarbrücken und Düsseldorf. Ich kann das heute mit größerer Vollständigkeit erneuern. Es wird Sie interessiren, wenn ich Ihnen mittheile, daß von diesen 1 400 000 Mark Berlin nur 160 000 Mark erhalten hat; davon weitaus den größten Theil für sogenannte Statuen, Porträts und Büsten, die sich in der Säulenhalle unseres Museums befinden, wo wir gewissermaßen eine Ruhmeshalle für Künstler und Gelehrte etablirt haben. Dagegen wird, wie ich annehmen möchte, von keiner Seite ein Einwand erhoben werden, da dies dem ganzen Staate und der ganzen Kunstwelt zu gute kommt. Von allen Provinzen hat weitaus das Meiste die Rheinprovinz, 237 000 Mark, erhalten, also reichlich 1/6 von der ganzen Summe; die Provinz Hannover allein 197 000 Mark und so allmählich abfallend bis nach Pommern, welches leider nur etwas über 7 000 Mark erhalten hat. Wenn ich etwas mehr auf die Rheinprovinz eingehen sollte, so werden Sie sich überzeugen, daß eine ganz hervorragende Summe auch

für Düsseldorf, welches ja allezeit die Sympathie der Staatsregierung gefunden und verdient hat, verwandt worden ist. Da ist ein Denkmal für Cornelius errichtet worden. In der Lambertuskirche ist die Statue des heiligen Sebastian gestiftet worden, für die Kunsthalle sind verschiedene Gemälde vorbereitet; es sind ferner Wandgemälde Gebhards und seiner Schule theils in der Ausführung begriffen, theils vollendet. Was aber das Wichtigste ist, die Ausmalung der Aula der Akademie, welche nahe an 200 000 Mark erfordert, und deren Ausführung begonnen hat. Diese Ausmalung der Aula der Akademie ist eins der größten malerischen Werke, die, so lange wir überhaupt für Preußen eine Kunstverwaltung haben, ausgeführt wurden. Da ich die Verantwortung dafür aus vollster Ueberzeugung trage, habe ich mir klar machen müssen, weshalb ich diese kolossale Summe auf dieses eine Gebäude verwende. Der Grund lag für mich darin, daß ich nicht allein einem unserer hervorragendsten und in voller Thatkraft befindlichen Künstler diese große Arbeit gern übertragen, sodann vor allen Dingen auch der Düsseldorfer Akademie dadurch Gelegenheit geben wollte, dasselbe zur Heranbildung der Schüler zu benutzen. Alle unsere Versuche, mit Hülfe der Ateliers die Schüler zu fördern, sind vergeblich, wenn nicht auch einmal die Möglichkeit gewährt wird, im großen Styl zu zeichnen und zu malen, und Aufgaben gestellt werden, die mit dem Maße der künstlerischen Fähigkeit in richtigem Verhältniß stehen.

Ich will diese Ideen nicht weiter ausführen; mit diesen Millionen werden wir nach verschiedenen Richtungen erhebliche Fortschritte machen können.

Ich fahre in meiner Aufzählung fort: Wir haben in Elberfeld den bekannten Schwurgerichtssaal mit dem Baurschen Gemälde geschmückt, in Mörs die Aula des Lehrerseminars, in Trier ist in der bekannten Basilika eine Gruppe von Statuen ausgeführt worden, in Saarbrücken sind für die Gemälde im Rathhaussaal von A. von Werner 60 000 Thaler aufgewendet worden. So geht das weiter. In der Provinz Hannover ist die Ausschmückung des berühmten Kaiserhauses in Goslar aus diesem Fonds bestritten worden. Ich will mit diesen Ausführungen nur andeuten, daß alles, was Großes aus diesem Fonds geleistet ist, zumeist den Provinzen zu gute gekommen ist. Sie haben sich überzeugt, welchen Eindruck die Insterburger Gemälde gemacht haben; in Königsberg wird in gleicher Weise vorgegangen; in Posen, in Bromberg ist verschiedenes geleistet worden. Ich kann demnach bestimmt erklären, daß mir nichts ferner liegt, als auf diesem Gebiete irgendwie zu Gunsten von Berlin zu centralisiren.

Ich möchte nur noch, wie neulich schon in der Budgetkommission, darauf hinweisen, daß, was die Versorgung unserer lebenden Kunst betrifft, Berlin eher in der Lage wäre, sich über zu starke Decentralisation zu beklagen. Ich wie meine Vorgänger haben uns, was die Entwickelung der Kunstbildung betrifft, immer gewisse Beschränkungen auferlegt, und ich bin allen Anstrengungen, die mir gegenüber gemacht worden sind, die Zahl der Kunstbildungsstätten zu erhöhen, immer entgegengetreten und zwar mit dem Bewußtsein, mich deshalb Mißverständnissen auszusetzen. Ich halte aber daran fest, daß jetzt, so lange nicht Berlin mit einer würdigen Kunstbildungsstätte versehen ist, ich die Finger davon zu lassen habe, mit neuen Schöpfungen vorzugehen. Es ist Ihnen bekannt, daß Düsseldorf sich in vorzüglicher Verfassung befindet; Königsberg ist nahezu fertig und Cassel erfreut sich einer leidlichen Existenz. Bis zu einem gewissen Maße bin ich auch in Breslau, soweit dies auf rechtlichen Versprechungen des Staates beruht, engagirt, aber ich darf dort nicht eher vorgehen, als bis ich Berlin in Ordnung gebracht habe. Wenn Sie diese Verhältnisse erwägen und sich klar machen, was für Düsseldorf geleistet ist, wenn Sie, dem gegenüber, was der Herr Abg. Bachem in Bezug auf die französischen Verhältnisse bemerkte, sich klar machen, was in Frankreich außerhalb Paris existirt, so, meine ich, müssen Sie mit uns zugeben, daß es nicht leicht einen Staat giebt, der so centralisirt auf dem Gebiete der Kunstverwaltung, wie Preußen. Auf diesem Gebiete werde ich nicht müde werden; ich weiß, was Berlin gebührt, aber ich weiß auch sehr wohl, was dazu gehört, einem großen Volk die Möglichkeit zu geben, sich mit den großen Ideen der Schönheit zu befruchten.


Die Eisenbahnen Deutschlands.
(Aus der Statistischen Korrespondenz.)

Wie in den übrigen Kulturstaaten, hat der Ausbau des Eisenbahnnetzes auch in Deutschland fortgesetzt auf die Entwickelung der wirthschaftlichen Verhältnisse in der günstigsten Weise eingewirkt. Dies ergiebt sich von Neuem aus der jüngst veröffentlichten »Uebersichtlichen Zusammenstellung der wichtigsten Angaben der deutschen Eisenbahnstatistik«, welche das Kaiserliche Reichs-Eisenbahnamt gleichzeitig mit dem II. Bande der »Statistik der im Betriebe befindlichen Eisenbahnen Deutschlands« für das Betriebsjahr 1881/82 hat erscheinen lassen. Erstere, uns vorliegende Zusammenstellung enthält die Gesammt-

Seite:   1 | 2 | 3 | 4 
 

In Ausgaben blättern


Jahr:  Monat:
Provinzial-Correspondenz:
01.07.1863 - 25.06.1884
MoDiMiDoFrSaSo
    123
45678910
11121314151617
18192021222324
2526272829