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No. 18. Provinzial-Correspondenz.
Zweiter Jahrgang.
27. April 1864.

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der des 18. April, in welchem sie den tapfern Feind besiegten. In Waffenrock, die Mütze mit grünen Reisern geschmückt, Tuchhosen, die bei einen in lange, bei anderen in kurze Stiefel gesteckt, Gewehr, Faschinenmesser und Leibriemen, an welchem hinten das Kochgeschirr angeschnallt, empfingen sie jauchzend ihren hohen Kriegsherrn. Die Offiziere waren ähnlich ajustirt; man sah bei ihnen Degen, Säbel, Revolver, gerollten Mantel, hohe Stiefel, kurze Stiefel (überall Hosen in den Stiefeln), Mützen ohne, Mützen mit Schirm und gab das Ganze so das Bild einer sehr leichten, doch festgeschlossenen kräftigen Truppenmasse. – Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Karl, der in der Uniform des 3. Husaren-Regiments, umgeben von seinem Stabe gegen, ¾2 Uhr auf dem Revue-Platze erschien, um die Aufstellung seines Armee-Corps vor der Parade noch zu mustern, erwartete Se. Majestät an der Chaussee, am rechten Flügel der Truppen. Gegen 2 Uhr erschien Se. Majestät der König, in seinem Gefolge Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz, der Prinz Karl, Prinz Albrecht Vater und Sohn, der greise Feldmarschall v. Wrangel und viele andere hohe fremdherrliche und preußische Offiziere, und es erhob sich ein Freudenruf, ein Hurrah der Soldaten, das nicht enden wollte. Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Karl küßte die ihm dargereichte Hand Sr. Majestät des Königs; doch der Kriegsherr, gerührt im Innersten, gab ihm den Mund zum Kuß und dieses Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung geschehener Thaten machte so manches Herz, das vor dem Feinde nicht gezittert, vor Rührung erbeben. Nach Begrüßung vieler hoher und niederer Offiziere ritt Se. Majestät unter lautem Hurrahruf der Truppen und klingendem Spiel die Front entlang; sein Antlitz zeigte nur Freude über seine tüchtige, noch wohl aussehende Armee. Demnächst defilirten die Truppen in Parade und zwar geordnet nach den Sturm-Kolonnen von 1 bis 6. Es waren dabei die Pioniere, welche die Arbeiter-Kolonne gebildet hatten, in der Tête; ihnen folgten Artilleristen, dann die eigentlichen Sturm-Kolonnen und die Reserve. Nach ihnen kam die Brigade Göben, welche am 18. nach Alsen übergehen sollte, mit den Pontonnier-Compagnieen des Brandenburgischen und Westfälischen Pionier-Bataillons Nr. 3 und 7, so wie mit den, den Uebergang deckenden Batterieen der Garde-Brigade. – Sämmtliche Truppen defilirten mit dem von Piefke neu komponirten Düppeler Sturmmarsch. Nach der Parade, nachdem Se. Majestät an viele Offiziere und Soldaten huldreiche Worte gerichtet, versammelte Hochderselbe die dekorirten Unteroffiziere und sämmtliche Offiziere um sich, um der bereits schriftlich Allergnädigst ertheilten Anerkennung noch persönlich einige Dankesworte für den großen Sieg an die tapferen Kämpfer folgen zu lassen. Sichtlich gerührt sprachen Se. Majestät ungefähr, wie folgt: »Meine Herren, Ich bin hierher gekommen, um der tapferen Armee persönlich Meinen herzlichen Dank auszusprechen für die außerordentlichen Leistungen, für die bewundernswerthe Ausdauer bei den gehabten unendlich großen Strapazen, für die umsichtige vorzügliche Führung der Truppen, für den großen, herrlichen Sieg. Gern, Meine Herren, wäre Ich in diesem Feldzuge mitten unter Ihnen gewesen, leider aber gestattet dies zur Zeit die Stellung, die Ich jetzt einzunehmen berufen bin, nicht; andere Verhältnisse bedingen Meine Abwesenheit von den im Frlde stehenden Truppen, und dies, versichere Ich Ihnen, thut Meinem Soldatenherzen wehe. Sie haben die Augen von ganz Europa auf sich gezogen und überall, wo man hinhört, das größte Lob eingeerntet. Das, Meine Herren, ist die Frucht des guten Geistes, der, wie allbekannt, die ganze preußische Armee beseelt und gewiß nie in derselben erlöschen- wird. Ich sage Ihnen allen nochmals Meinen tiefgefühltesten Dank. Den Sturm-Kolonnen werde Ich für die in höchstem Maße bewiesene Bravour und Unerschrockenheit, mit welcher sie den großartigen Sieg herbeiführten, ein ganz besonderes Denkzeichen verleihen. Adieu, Meine Herren! Theilen Sie allen Mannschaften Meine Allerhöchste Anerkennung mit und sagen Sie ihnen Meinen Königlichen Dank.« Nach dieser Ansprache, die auf alle Anwesenden einen großartigen, tief erregenden Eindruck machte, fuhren Se. Majestät, in Begleitung des ganzen Stabes, nach den Schanzen, um dieses Siegesfeld Seiner Armee zu besichtigen.

Auch die weiter gegen Jütland hin vorgeschobenen Truppentheile wurden durch den Besuch des Königs erfreut.

Noch an demselben Tage wurde die Rückreise angetreten. Am Abend traf der König wieder in Flensburg ein. Des Abends um 10 Uhr begab sich ein Zug von mehr als tausend Personen, unter Absingung des Schleswig-Holsteinliedes, nach Rasch's Hotel, wo der König ein Abendessen einnahm, und stimmte ein neunmaliges donnerndes Hoch auf Wilhelm I., den »Befreier Schleswig-Holsteins«, so wie auf die tapfere preußische Armee an, »welche durch Eroberung der Düppeler Schanzen das letzte Bollwerk dänischer Gewaltherrschaft auf schleswigschem Boden vernichtet hat.« Tages darauf besuchte Se. Majestät, dem Drange seines landesväterlichen Herzens folgend, in Begleitung der Prinzen die Flensburger Lazarethe und erfreute viele Verwundete durch Worte des Dankes und Trostes.

In Altona war die ganze Stadt illuminirt; viele bengalische Flammen brannten. Als Transparent bemerkte man die Inschrift: »Heil Wilhelm, dem Eroberer der schleswig-holsteinschen Herzen«, und die Worte des Monarchen: »Europa soll wissen, daß Preußen überall stets bereit ist, das Recht zu schützen, den 9. Oktober 1859.« Auf dem Bahnhofe wurde der König von dem städtischen Kollegium und dem Bischof Koopmann mit einer Anrede empfangen. Die versammelte Menschenmenge war so groß, daß der König vom Altonaer zum Hamburger Bahnhofe nur Schritt fahren konnte, weil das Publikum den Wagen theils vor, theils hinterher begleitete. Auf dem Hamburger Gebiet empfing den König eine Ehrengarde der hanseatischen Kavallerie.

Sehr begeistert war die Begrüßung von Seiten des weithin dicht zusammengepreßten Publikums vor dem Bahnhofe. Das Musik-Corps der Ehrenwache spielte die Melodie: »Heil Dir im Siegerkranz«, als der König in den Bahnhof hineinfuhr. Bei der Abreise erfüllte ein vielmaliges donnerndes Hurrah des versammelten Publikums die weite Bahnhofshalle und begleitete noch den dahin eilenden Courierzug.

Am 24., des Morgens gegen halb 6 Uhr, traf der König in erwünschtem Wohlsein in Berlin wieder ein. Die zum Empfange versammelten Offiziere und Beamten wurden von dem hohen Herrn huldvoll mit einem Händedruck begrüßt. Einer Dame, welche mit einem Lorbeerkranze nahte, bemerkte der König in herzgewinnender Weise: »Ich bringe schon mehrere Lorbeerkränze mit; aber Ich kann nur wiederholen, was Ich Allen gesagt habe, die Mir solche Kränze dargebracht haben: nicht für Mich, wohl aber für Meine brave Armee, die sich solche Lorbeeren errungen hat!«

Die ganze Fahrt des Königs glich einem Triumphzuge, den auch nicht der leiseste Mißton störte. – Möge das auf dieser denkwürdigen Reise Erlebte unserem theuern Könige ein Ersatz für so manche trübe Erfahrung seines treuen landesväterlichen Herzens sein.


Am Abend nach des Königs Rückkehr wurde ihm von dem deutschen Sängerbund ein Ständchen gebracht, wobei die Lieder: »die Königs-Eiche«, »Heil Dir im Siegerkranz« und »Nun danket Alle Gott« gesungen wurden. Viele Tausende von Menschen hatten sich vor dem Palais des Königs eingefunden, um ihn nach der Rückkehr zu begrüßen. Während des Gesanges und nach demselben erschien der König öfter auf dem Balkon und wurde von der Menge durch begeisterten Zuruf geehrt und gefeiert.


Die Prinzen Karl, Albrecht (Vater) und Albrecht (Sohn) haben nach der Abreise Sr. Majestät und nach erfolgtem Vorrücken eines großen Theils unserer Armee nach Jütland den Kriegsschauplatz gleichfalls verlassen und sind nach Berlin zurückgekehrt. Dagegen wird nächst dem Befehlshaber des kombinirten Armeecorps, Prinz Friedrich Karl, auch unser Kronprinz den weiteren Operationen beiwohnen.


Der Kaiser von Oesterreich hat in Veranlassung des Sieges von Düppel unserm Prinzen Friedrich Karl zum Oberst-Inhaber des 7. österreichischen Husaren-Regimentes, den Feldmarschall von Wrangel zum Oberst-Inhaber des 2. Kürassier-Regiments, beide preußische Heerführer zu Commandeurs des militairischen Maria-Theresia-Ordens, und Se. Königl. Hoheit den Kronprinzen zum Ritter desselben hohen Ordens ernannt, welcher bekanntlich nur in den seltensten Fällen und nur für hohe kriegerische Auszeichnung ertheilt wird.


Der Präsident des Staats-Ministeriums, Herr von Bismarck, war Sr. Majestät dem Könige nach dem Kriegsschau-

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